Marathon Loudéac-Pontivy: Guillaume Ruel pulverisiert Streckenrekord, Amélie Sinquin macht die Show
Am Sonntag, dem 31. Mai, waren 5.200 Läuferinnen und Läufer bei der 9. Ausgabe des Marathon Loudéac-Pontivy auf den Straßen der Bretagne unterwegs. Guillaume Ruel gewann in 2:23:05 Stunden, Amélie Sinquin setzte sich in 2:55:51 Stunden durch.
Als Guillaume Ruel beim Marathon Loudéac-Pontivy an den Start geht, kommt er gerade aus drei Wochen Trainingslager in Font-Romeu. Das war kein Aufenthalt, bei dem man es sich auf einer Hängematte in 1.800 Metern Höhe gemütlich macht. Für den Athleten des Stade Saint-Lô, Europarekordler über 50 km und französischen Rekordhalter über 100 km, bedeutet Höhentraining harte Arbeit. Das zeigt sich auch auf der Uhr. Vom Start an der Pferderennbahn von Calouet in Loudéac, auf einer Punkt-zu-Punkt-Strecke, die größtenteils über die Vélodyssée, eine zur grünen Trasse umgebaute ehemalige Bahntrasse, und am Nantes-Brest-Kanal entlangführt, gibt Ruel sofort sein Tempo vor. Kein überhitztes Ego, keine unnötigen taktischen Spielchen: Der Normanne läuft sein Tempo, das eines Langstrecklers, der daraus längst sein Markenzeichen gemacht hat.
Das Ergebnis spricht für sich. Ruel überquert die Ziellinie an der Halle Safire nach 2:23:05 Stunden und verbessert den bisherigen Streckenrekord deutlich. Florian Le Vigouroux (Cima Pays d’Auray) komplettiert das Podium in 2:30:22 Stunden vor Kleden Favennec (Quéven Athlétisme), der nach 2:32:02 Stunden ins Ziel kommt. Beide stellen dabei eine neue persönliche Bestzeit auf. Ein Spitzentrio, das den Anspruch dieser Ausgabe deutlich macht. Für Ruel fügt sich der Sieg in der Bretagne in eine bereits gut gefüllte Saison 2026 ein. Wenige Wochen zuvor hatte der Läufer aus Saint-Lô beim Marathon des Héros in Bayeux, auf den normannischen Straßen entlang der Landungsstrände, einen weiteren Sieg gefeiert. Damit bestätigte er seinen Ruf als Spezialist für naturnahe Marathons mit starkem regionalem Bezug. Die Bretagne hatte offenbar nur auf ihn gewartet.
Die Rigole d’Hilvern, Schleusen und brennende Waden
Über Loudéac-Pontivy zu sprechen, ohne die Strecke zu erwähnen, ist kaum möglich. Sie ist Argument genug. Der Marathon führt die Läuferinnen und Läufer durch einige der schönsten Postkartenmotive der inneren Bretagne: die Rigole d’Hilvern, den Nantes-Brest-Kanal mit seinen Schleusentreppen und das mittelalterliche Schloss von Pontivy, das Schloss der Herzöge von Rohan, das im Finale fast unvermittelt auftaucht.
Wälder, Heckenlandschaft, bretonische Dörfer, Schleusen und Kanal: Die Route sorgt für Abwechslung und fordert zugleich zum Laufen auf. Das Profil ist insgesamt schnell, die Höhe bewegt sich zwischen 58 und 94 Metern. Das hindert die Beine allerdings nicht daran, sich nach 35 Kilometern bemerkbar zu machen. Befestigte Treidelpfade und Wege verlaufen über weite Teile der Vélodyssée, jener umgewandelten ehemaligen Bahntrasse, die das Herz der Bretagne unaufdringlich durchquert.
Die Läufer passieren Saint-Gonnery, nicht Sean Connery, wie die Veranstalterseite augenzwinkernd erinnert, und anschließend Saint-Gérand. Dann tauchen endlich die Türme des Schlosses auf und kündigen das Ende der Tortur an. In diesem Jahr führte die Strecke zweimal durch das Zentrum von Loudéac und durch Pontivy, außerdem durch den Aquarev-Park und über einen längeren Abschnitt der Rigole d’Hilvern. Gegenüber den vergangenen Ausgaben war die Strecke damit noch abwechslungsreicher.
Sinquin und Balluais-Delaunay: ein Duell mit sieben Sekunden Abstand
Im Frauenrennen spitzt sich das Geschehen bis zum Schluss zu. Amélie Sinquin vom Stade Rennais Athlétisme gewinnt in 2:55:51 Stunden, doch Ludivine Balluais-Delaunay von den Joggers du Couesnon bleibt ihr 42 Kilometer lang dicht auf den Fersen. Im Ziel liegen sieben Sekunden zwischen den beiden, kaum mehr als die Zeit, die man braucht, um diesen Satz laut vorzulesen. In einem Marathon sind sieben Sekunden nichts und alles zugleich.
Eugénie Boterf (Caen Athletic Club) wird in 3:13:32 Stunden Dritte vor Coralie Tirot (S/L ASPTT Rennes) und der erfahrenen Natacha Pestel (EA Pays de Brocéliande), die in 3:26:32 Stunden die M3-Wertung gewinnt. Dieser Marathon nimmt seine Altersklassen offenbar ernst.
Benoît Fanouillère, nicht zu verdrängen
Im Halbmarathon glänzte erneut eine lokale Größe mit einer Konstanz, bei der selbst die Stoppuhren fast erröten müssten. Der Hausherr, Benoît Fanouillère von S/L Athlétisme Loudéac, gewann den Wettbewerb zum siebten Mal, diesmal in 1:12:53 Stunden. Sieben Siege bei seinem Heimrennen, in der Stadt, in der er trainiert und vermutlich jede Kurve der Strecke wie seine Westentasche kennt. Théo Noël (Athlétisme Pays de Pontivy) wurde in 1:13:00 Stunden Zweiter. Bei den Frauen ließ Katia Raoult (S/L Castres Athlétisme) in 1:19:18 Stunden der Konkurrenz keine Chance. Lénaïck Touzé (Dominicaine A) folgte mit komfortablem Abstand in 1:20:02 Stunden.
Über 10 und 5 Kilometer gehört die Bühne der Jugend
Über 10 Kilometer holte sich Mathieu Coyat, Nachwuchsläufer von S/L Athlétisme Loudéac, in 31:48 Minuten den Sieg. Eine Zeit, die auf der Straße ordentlich Eindruck macht. Bei den Frauen setzte sich Cécilia Mobuchon (ASCO Inter Atlas), französische Halbmarathonmeisterin von 2019, in 38:23 Minuten durch. Sie führte ein starkes Top-10-Feld an, das fast vollständig aus den Kategorien SEN und M0 bestand.
Über 5 Kilometer, dem Revier der Kadetten und Nachwuchsläufer, gewann Pierre Barbe (S/L AC Merdrignac) bei den Männern in 16:41 Minuten. Bei den Frauen siegte Laetitia Gérard in 20:55 Minuten vor Tiphaine Le Lavandier und Auralia Hascoet. Für viele Teilnehmer ist dieses Format der erste große Nervenkitzel bei einem offiziellen Wettkampf.
5.200 Läufer und eine laufende Bretagne
Diese Zahl verdient Aufmerksamkeit. In diesem Jahr waren 5.200 Läuferinnen und Läufer auf den Straßen der Zentralbretagne unterwegs. Marathon und Halbmarathon waren bereits mehrere Wochen vor dem Start ausgebucht. Kurz vor der Veranstaltung waren nur für den 10- und den 5-Kilometer-Lauf noch Anmeldungen möglich. Der Hunger auf diesen Marathon ist offensichtlich ungebrochen, eher im Gegenteil.
Musikgruppen und Zuschauer sorgten entlang der Strecke und in den beiden durchquerten Orten für Stimmung. Dieser Tag war damit weit mehr als ein gewöhnlicher Sportwettkampf. Musikgruppen, ein Kostümwettbewerb für die Läufer, das Finisher-Dorf an der Halle Safire: Loudéac-Pontivy verbindet Leistung und Feierlaune mit typisch bretonischer Leichtigkeit.
Der „erste Marathon der Zentralbretagne“ wächst weiter
Nach gerade einmal neun Ausgaben hat sich der Marathon Loudéac-Pontivy einen festen Platz auf der Landkarte der französischen Laufveranstaltungen erarbeitet. Die Veranstalter bezeichnen ihn als ersten Marathon der Zentralbretagne. Er fordert auf der Jagd nach der Zeit, lädt landschaftlich zum Staunen ein, und genau diese Kombination macht seinen Reiz aus. Man kommt nicht nur wegen einer Bestzeit hierher, sondern auch, um an zwei Jahrhunderte alten Schleusen entlangzulaufen und in den letzten Kilometern das Schloss der Rohan wie eine Belohnung auftauchen zu sehen. Die 10. Ausgabe zeichnet sich bereits am Horizont ab. Wenn Guillaume Ruel zur Titelverteidigung zurückkehrt und Fanouillère im Halbmarathon nach seinem achten Sieg greift, steht uns an den Ufern des Nantes-Brest-Kanals zweifellos ein denkwürdiger Lauftag bevor.