Alice Michel: Laufen als Verbündete in der Schwangerschaft

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Von Mergoil Melissa

Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026

Aktualisiert am Mi., 9. September 2026

Alice Michel: Laufen als Verbündete in der Schwangerschaft
© Team Orange Running

Alice Michel ist 27 Jahre alt und lebt in Vincennes. Als Diätassistentin, Ernährungswissenschaftlerin, Biotechnologie-Lehrerin und Dozentin an der Universität findet sie neben ihrem vollen Berufsalltag noch Zeit zum Laufen und Trainieren. Bewegung ist für sie Bedürfnis, Leidenschaft und Notwendigkeit zugleich: Laufen, Radfahren, Wandern, Krafttraining … Seit einigen Monaten hält eine frohe Nachricht ihren ohnehin gut gefüllten Alltag zusätzlich in Atem. Im August 2024 erfuhr die Athletin des Zoom Volt Runners während eines Urlaubs in Peru, dass sie schwanger ist.

| Im Interview spricht die werdende Mutter über die vergangenen Monate, ihre Bedenken und das Laufen während der Schwangerschaft.

Hattest du Bedenken wegen der Schwangerschaft?

Ja, natürlich hatte ich ein paar Bedenken, das ist ganz normal. Ich wusste überhaupt nicht, wie es werden und wie sich alles entwickeln würde … Ich hatte Angst, nicht mehr laufen zu können, und dann ging alles sehr schnell. Ich hatte kaum Zeit, mir allzu viele Fragen zu stellen.


Was sagten deine Ärzte zum Laufen während der Schwangerschaft?

Kein Arzt hat von einem Risiko gesprochen. Ich sehe jeden Monat meinen Gynäkologen zur Kontrolluntersuchung, und jedes Mal gibt er grünes Licht und sagt, dass ich weiterlaufen kann. Ich achte sehr genau darauf, wie ich mich fühle, höre auf meinen Körper und gehe kein Risiko ein. Am schwierigsten ist der Schuldkomplex, der durch die Kommentare anderer entsteht, die unbegründete Meinungen, Bemerkungen und Urteile äußern … Auch deshalb wollte ich die Schwangerschaft erst spät in den sozialen Medien bekannt geben. Ich wollte mich davor schützen.


Du bist inzwischen im achten Schwangerschaftsmonat. Wie fühlst du dich?

© Mathieu LAPEYRE

Mir und dem Baby geht es gut. Ich laufe weiterhin regelmäßig, allerdings nur lockere Läufe ohne Intensität, zwischen 30 und 40 Minuten. Die ersten fünf Minuten sind nicht besonders angenehm, es zieht ein wenig, ich spüre das Gewicht des Bauches, aber sobald ich aufgewärmt bin, geht es besser. Außerdem mache ich Mobilitätsübungen, Propriozeptionstraining und etwas Krafttraining. Ich versuche, mich an diesen neuen Körper und die zusätzlichen Kilos anzupassen. Das ist wichtig für die Gelenke, insbesondere für meine Knie und Knöchel.

Im Gespräch erzählte uns die Läuferin aus Vincennes, wie wichtig es ihr ist, aktiv zu bleiben, sowohl für ihr körperliches als auch für ihr psychisches Wohlbefinden. Lockere Läufe, Radtraining auf dem Heimtrainer und Spaziergänge gehören deshalb weiterhin zu ihrem Alltag, immer mit Blick auf ihre Körperwahrnehmung und ihr Befinden.


Laufen in der Schwangerschaft: Was verändert sich konkret?

Meine Herzfrequenz hat sich verändert, in Ruhe liegt sie fast zehn Schläge höher. Ansonsten verändert sich aber nicht während der gesamten Schwangerschaft immer dasselbe. Das ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Bei mir habe ich in jedem Trimester deutliche Veränderungen bemerkt, als würde alle drei Monate ein neuer Abschnitt beginnen. Im ersten Trimester waren es vor allem Übelkeit, Müdigkeit und Schmerzen im Bereich der uterosakralen Bänder. Im zweiten Trimester hatte ich Schmerzen am Schambein und im oberen Bereich des Oberschenkels. Im dritten Trimester habe ich kaum noch Schmerzen. Eher das Gewicht des Bauches sorgt für ein gewisses Unwohlsein.

| Nachdem sie über diese unterschiedlichen Phasen und Symptome gesprochen hatte, betonte Alice, wie gut ihr die lockeren Läufe und Mobilitätsübungen tun. Sie helfen ihrem Körper, sich an all diese körperlichen Veränderungen anzupassen.

Im vierten Schwangerschaftsmonat lief Alice im vergangenen November den New York Marathon in 3:04 Stunden. Für die Marathonläuferin, die über die klassische Distanz eine Bestzeit von 2:39 Stunden hält, war das ein deutlich lockereres Tempo als gewohnt. Ihren persönlichen Rekord lief sie 2023 beim Valencia Marathon. Sie erreichte die Ziellinie selbstverständlich erst nach Rücksprache mit ihrem Gynäkologen und im Einklang mit ihrem Körpergefühl. Trotz erträglicher Schmerzen an den Bändern und einiger dringender Toilettenpausen wollte Alice diesen legendären Lauf unbedingt bestreiten und dabei Kilometer für Kilometer auf ihre Körpersignale achten.


Wie blickst du auf den Wiedereinstieg in den Wettkampfsport nach der Geburt?

Der Geburtstermin ist für Ende März angesetzt. Ich mache mir keinen Druck und plane kein allzu frühes Ziel. In den sechs Wochen nach der Geburt werde ich beim Laufen komplett pausieren. Danach möchte ich mir Zeit lassen. Idealerweise habe ich den Valencia Marathon Anfang Dezember im Visier. Wahrscheinlich werde ich vorher schon den einen oder anderen Wettkampf bestreiten, aber ohne Erwartungen, einfach aus Freude daran, wieder die Wettkampfatmosphäre und den Zielbogen zu erleben.

Zum Abschluss dieses Interviews lässt sich sagen: Schwangerschaft und Laufen sind durchaus miteinander vereinbar, sofern man auf seinen Körper und seine Wahrnehmung hört und die Intensität niedrig hält. Natürlich sind jede Frau und jede Schwangerschaft anders. Wer während dieser Zeit weiter Sport treiben möchte, sollte dafür unbedingt das Einverständnis der behandelnden Ärzte einholen.

| Vielen Dank an Alice für dieses Interview. Dir und deinem Partner Nicolas wünschen wir alles Gute für euer neues Leben zu dritt.