Blandine L’Hirondel für die Gesundheit von Sportlerinnen

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Von Linford Dirou

Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026

Aktualisiert am Mi., 9. September 2026

Blandine L’Hirondel für die Gesundheit von Sportlerinnen
© UTMB

Blandine L’Hirondel ist zweifache Weltmeisterin, wurde 2023 Dritte beim UTMB und belegte 2024 Rang fünf. Doch die 30-Jährige ist nicht nur professionelle Trailläuferin: Wenn sie nicht trainiert, arbeitet sie als Gynäkologin und Geburtshelferin. Seit Dezember 2024 klärt die Spitzensportlerin auf ihrem Instagram-Account @lagynecosportive über die Besonderheiten von Sportlerinnen auf.

Wenn eine Trail-Championesse zur Aufklärerin wird

Die Markenbotschafterin von KIPRUN wurde über ihren Athletinnen-Account täglich mit Fragen überschüttet und spürte, dass ein echter Bedarf bestand. „Ich bekam viele Fragen von Frauen, die nicht weiterwussten. Aber ich kann in den sozialen Netzwerken keine Sprechstunde abhalten“, sagt die Trail-Ikone. Also begann sie im vergangenen Dezember zwischen zwei Trainingseinheiten, Videos zu drehen, in denen sie sich mit einer Prise Humor und viel Fachwissen selbst in Szene setzt. 

Der Account @lagynecosportive steckt zwar noch in den Kinderschuhen, doch die gynäkologischen Lektionen werden inzwischen von mehr als 6000 Menschen verfolgt. Ein guter Anfang. Blandine L’Hirondel möchte aber über die Community der Sportlerinnen hinaus ein größeres Publikum erreichen. Ihr Ziel ist klar: informative Inhalte zu erstellen und präventive Ratschläge zu den Problemen und Besonderheiten sporttreibender Frauen zu geben. „Ich habe unzählige Ideen für diesen Account. Zuerst möchte ich aber die Grundlagen erklären: Training im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, verschiedene Erkrankungen und Beschwerden sowie Schwangerschaft. Danach werde ich kürzere, gezieltere Beiträge veröffentlichen, um konkrete Fragen zu beantworten“, erklärt Blandine. Das neue Nebenprojekt bereitet ihr große Freude. „Ich versuche, alle zwei bis drei Tage ein Video zu machen, und mein Partner hilft mir dabei.“


Zurück zu den Grundlagen

© Guillaume Salem

Auf diesem Instagram-Account geht es um schmerzhafte Perioden, Anämie, Zyklen, Hormone, Schwangerschaft, den Beckenboden und die Zeit nach der Geburt. Kurz gesagt: um all jene Themen, die noch immer tabu sind und über die selbst Frauen häufig zu wenig wissen. Der Grund? Frauen sind in wissenschaftlichen Studien nach wie vor unterrepräsentiert. Laut Juliana Antero, Epidemiologin am Institut national du sport, de l’expertise et de la performance (INSEP), gilt: „Frauen stellen nur 35 Prozent der Teilnehmenden an Studien im Bereich der Sportwissenschaften. Die meisten medizinischen, ernährungswissenschaftlichen und trainingsbezogenen Protokolle, nach denen sich Sportlerinnen richten, wurden für männliche Athleten entwickelt.


„Amenorrhö ist nur die Spitze des Eisbergs“

Die Gynäkologin für Sportlerinnen will all diese Fragen beantworten und mit Irrwegen und überlieferten Fehlannahmen aufräumen, die das Training von Frauen prägen. Sportlerinnen berücksichtigen Erholungsphasen und Ernährung noch immer nicht ausreichend. So benötigen sie beispielsweise einen höheren Körperfettanteil als Männer. Schon kleinste Veränderungen können sich auf den Hormonhaushalt auswirken. Am deutlichsten zeigt sich das bei Zyklusstörungen, die zum Ausbleiben der Periode führen können, also zur Amenorrhö. Sie kann Knochen, Herz-Kreislauf-System und Psyche beeinträchtigen. Die Amenorrhö ist nur die Spitze des Eisbergs. Blandine L’Hirondel weiß, dass es viele Themen gibt, über die aufgeklärt werden muss. Die Herausforderung schreckt sie nicht ab, im Gegenteil. „Man weiß, dass im Laufe ihres Lebens eine von drei Frauen eine sportbedingte Harninkontinenz entwickelt“, sagt die Gynäkologin. Ein weiteres Tabuthema, das bald Gegenstand eines Instagram-Videos sein könnte. Ihren Kampf führt sie für die Breitensportlerinnen. „Oft höre ich von Frauen, dass sie nicht mein Leistungsniveau haben und ihre Probleme deshalb geringfügig seien. Aber nein: Wir Spitzensportlerinnen werden gerade engmaschiger betreut, haben mehr Zeit zur Regeneration und können uns besser informieren. Breitensportlerinnen tragen dagegen ohnehin schon eine größere mentale Last.

Die Worte sind gesprochen, und Blandine L’Hirondel will den Beschwerden von Sportlerinnen den Kampf ansagen.