Christelle Sturtz: „Ich bleibe für immer Samurai“
Als ehemalige Karateathletin liebt Christelle Sturtz seit einigen Jahren Asphalt und Trails. Die engagierte, lebensfrohe Sportlerin lebt für die Herausforderung und das Miteinander. Seit 2012 arbeitet sie als Entwicklungsbeauftragte für ELA, die Europäische Vereinigung gegen Leukodystrophien, und gibt mit Überzeugung, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
Ehemalige Weltcupsiegerin im Karate-Kumite
Nichts deutete darauf hin, dass die heute 45-jährige Elsässerin einmal Gefallen am Karate finden würde. Als Kind war Christelle Sturtz temperamentvoll und ständig in Bewegung. „ Als kleines Mädchen nannten mich alle Mowgli, ich war immer draußen, in der Natur oder auf den Bäumen.“ Damals brachten ihre Eltern sie in den Verein gegenüber dem Elternhaus. Sie hofften, dass die Kampfkunst den Bewegungsdrang ihrer Tochter etwas bändigen würde. Stattdessen entfaltete die Disziplin ihr ganzes Potenzial: 2010 gewann sie den prestigeträchtigen Karate-Weltcup.
Warum der Wechsel zum Laufen?
Das Laufen tauchte nicht plötzlich im Leben von Christelle Sturtz auf. Schon als Kind hatte sie ihren Vater beim Trainieren und Laufen erlebt, wenn er zu Wettkämpfen fuhr. „ Als Kind bin ich mitgegangen, wenn er laufen ging.“ Neben ihrem laufenden und trainierenden Umfeld schnürte auch sie im Rahmen ihres allgemeinen Trainings hin und wieder die Laufschuhe. Richtig Einzug in ihr Leben hielt das Laufen 2017, als Christelle Sturtz 39 Jahre alt war. Nach dem Ende ihrer Karatekarriere wollte sie weiterhin Sport treiben, verspürte aber vor allem ein starkes Bedürfnis nach Freiheit und Abstand vom Alltag. Da lag das Laufen nahe. „ Ich war schon immer gern draußen, den Elementen und der Natur nah.“ Die Laufanfängerin fand schnell Gefallen am Training und an der Lust, an Wettkämpfen teilzunehmen.
Nach mehreren Rennen auf der Straße und auf den Trails fühlte sich Christelle Sturtz auf den langen Distanzen am wohlsten. „ Ich habe eine besondere Vorliebe für die Marathondistanz daran besteht kein Zweifel.“ Für sie ist es der beste Kompromiss, Straßenläufe und Trailrennen über das Jahr hinweg zu verbinden. „Ich laufe gern zwei Marathons im Jahr, einen am Anfang und einen am Ende, dazwischen Trailrennen. Ich könnte mich nicht zwischen Asphalt und Trails entscheiden, ich liebe das Zusammenspiel beider Welten.“ Beim Trailrunning zieht es die ehemalige Dojo-Sportlerin auf die Ultradistanzen. „ Ich mag lange Formate, besonders ab 80 Kilometern aber ich stehe damit noch ganz am Anfang. “
Was ist vom Karate geblieben?
Auch wenn Christelle Sturtz heute kein Karate mehr praktiziert, ist es noch immer ein Teil ihres Lebens. „ Das Karate hat mir meinen Charakter gegeben, ich bleibe für immer Samurai.“ Als staatlich geprüfte Karate- und Selbstverteidigungstrainerin trainiert sie einige Stunden pro Woche Kinder und Jugendliche in einem Verein im Elsass. Im Gespräch räumt sie ein, dass das Karate von damals nicht ganz dem heutigen Sport entspricht. Die Disziplin hat sich weiterentwickelt, und zwar zum Guten. „ Damals war es härter. Ich hatte angeknackste Rippen, einen Riss im Brustbein und einen gebrochenen Ellenbogen … Trotzdem bin ich zum Kampf angetreten. Heute ist alles deutlich besser geregelt.“ Auch dadurch konnte Christelle Sturtz zu der Frau werden, die sie heute ist: Sie hat gelernt, sich entwickelt und ihren Weg gefunden. „ Das Karate hat mir sehr viel beigebracht. Es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.“
Welche Erfolge im Laufsport?
Auch wenn der Spaß für die Läuferin an erster Stelle steht, spielt der Wunsch nach Leistung natürlich eine Rolle. Ihre Marathonbestzeit von 3:09 Stunden lief sie 2023 in Sevilla. Das große Ziel ist es, sich Schritt für Schritt der magischen Drei-Stunden-Marke zu nähern. „ Ich weiß, dass die Hürde hoch ist, aber ich möchte daran glauben. Den drei Stunden näher zu kommen, wäre ein Traum.“ Die willensstarke und disziplinierte Athletin wird seit 2019 von Julien Lyon trainiert, den sie in Kenia kennengelernt hat. Beim Laufen bringt Christelle Sturtz dieselbe Konsequenz auf wie einst im Karate. Wochen mit mehr als 100 Kilometern sind keine Seltenheit … „ Ich liebe das Training, ich laufe einfach gern. Die Marathonvorbereitung gefällt mir besonders: Sie ist anspruchsvoll, aber fast meditativ. Mein Fokus liegt auf der Zeit. Es ist, als wäre ich in einer Blase.“
Das nächste Ziel?
Nach Sevilla 2020 mit 3:22 Stunden, dem Bestzeitenrennen 2023 in 3:09 Stunden und 3:13 Stunden im Jahr 2024: Wie könnte man da nicht für 2025 unterschreiben? Christelle Sturtz wird im kommenden Februar beim Marathon de Sevilla an der Startlinie stehen und ihre Bestzeit auf der Königsstrecke verbessern wollen. Trotz dieses Vorhabens weiß sie, dass auf 42 Kilometern vieles passieren kann. „ Ich möchte meine persönliche Bestzeit verbessern, aber es kann so viel passieren. Ich bleibe realistisch, wir werden sehen.“ Der erste Marathon des Jahres 2025 steht damit fest. Offen bleibt, was Christelle Sturtz für den Rest der Saison zwischen Straße und Trail plant …
Ein engagiertes Leben
Neben dem Sport setzt sich Christelle Sturtz für Themen ein, die ihr am Herzen liegen. Auch in ihrem Beruf engagiert sie sich mit voller Kraft. Heute arbeitet sie als Entwicklungsbeauftragte bei der Vereinigung ELA. Zuvor war sie als Mitglied der französischen Karate-Nationalmannschaft sportliche Botschafterin der Organisation. ELA ist sie seit mehr als 24 Jahren verbunden. Diese Erfahrung führt ihr im Alltag immer wieder vor Augen, dass das Leben uns einholt und die Prioritäten nur selten dort liegen, wo wir sie vermuten. „ Durch meine Arbeit wird mir bewusst, wie glasklar das Leben ist.“
Auch 2024 engagierte sich Christelle Sturtz gemeinsam mit Julien Lyon und dem Team Milimani Runners in Kenia für das Trailprojekt bei einigen Rennen der UTMB World Series.