Mit 70 Jahren hält Laurence Alnet den Marathon-Weltrekord
Laurence Alnet wurde am 18. Juli 2024 70 Jahre alt. Im November gelang ihr in La Rochelle der große Coup: Mit 3:26:40 Stunden stellte sie in der M7-Altersklasse (70 bis 74 Jahre) den Frauen-Weltrekord im Marathon auf. Trotz des kräftigen Windes bei dieser Ausgabe unterbot die Siebzigjährige den bisherigen Rekord einer Deutschen, die 3:35 Stunden gelaufen war. Danach begleiteten Laurence jede Menge Medienrummel und eine enorme Welle der Anteilnahme durch diese besondere Zeit.
„Ich laufe seit 56 Jahren“
Laurence sagte uns: „Ich laufe seit 56 Jahren“. Tatsächlich begann das Mitglied von Nantes Métropole Athlétisme bereits mit 14 Jahren in der Schule mit dem Laufen. Ihre Lehrerin erkannte damals, dass sie echtes Talent für die Disziplin hatte. Abgesehen von einigen Unterbrechungen, unter anderem wegen zweier Schwangerschaften, ist Laurence fast ihr ganzes Leben lang gelaufen. Beruf und Laufen unter einen Hut zu bringen, war nicht immer einfach. Trotzdem hat sie alles ausprobiert: Crossläufe, 10 Kilometer, Halbmarathon, Marathon … Ihre Lieblingsdistanz ist die längste und vermutlich anspruchsvollste: die Königsdisziplin über 42,195 Kilometer. 1996 lief sie in London ihren ersten Marathon. Sie bestand diese Feuertaufe in 3:09 Stunden, obwohl sie im Startblock für die Vier-Stunden-Läufer gestanden hatte. Im selben Jahr lernte sie ihren damaligen und bis heute aktiven Trainer kennen: Jean Pierre Guiton vom Stade Nantais Athletic Club.
Ein Halbmarathon und der nächste Rekord im Visier …
Die Weltrekordlerin will sich damit nicht zufriedengeben. Der nächste Termin steht im März 2025 beim Semi-Marathon de Lisbonne an. Das Ziel? Einen weiteren Titel holen, den Europarekord über diese Distanz (1:38:53 Stunden). Laurence trainiert hart, mindestens fünfmal pro Woche, auch wenn kein Wettkampf ansteht. Die Suche nach Leistung ist neben der Freude am Laufen weiterhin präsent und längst nicht außer Atem. „Ich war schon immer ehrgeizig, und das werde ich auch immer bleiben.“ Wettkämpfe, Ziele und Adrenalin: Das treibt diese Sportlerin mehr an als alles andere. Ihre Angehörigen nennen sie manchmal „unzerstörbar“. Ihre Antwort: „Zum Laufen ist man nie zu alt. Solange man es kann, sollte man loslegen. Ich bin immer gelaufen, ich kann mir nicht vorstellen aufzuhören.“
Die Schule des Lebens
Für diese Marathonläuferin war nicht immer alles einfach und selbstverständlich. Autounfall, Trennung, Verletzungen … Laurence musste einige Rückschläge verkraften. Auch daraus schöpft sie heute ihre Stärke. Kämpfen und Schwierigkeiten überwinden: Das ist es, was sie daraus mitnimmt.
Vor rund 15 Jahren zog sie sich einen Teilriss der Achillessehne zu, eine Verletzung, die sie daran hinderte, Marathon zu laufen. Für den medizinischen Rat war die Belastung zu lang und zu riskant. Im Mai 2024 kehrte sie in Saumur auf die Königsdistanz zurück und war glücklich, eine herausragende Zeit von 3:24:45 Stunden zu laufen. Damals war es noch kein Rekord, denn sie war noch keine 70. Im darauffolgenden Sommer brach sich Laurence bei einem Sturz drei Rippen. Einige Wochen später bekam sie zudem eine Gürtelrose am Rücken. Trotz alledem gilt für ihre Freunde: Sie ist unzerstörbar.
Laufen ist bei ihnen Familiensache. Ein Sohn, der 2024 La Diagonale des Fous beendet hat, eine Tochter, die jede Woche trainiert, und Enkelkinder, die bereits ihre Laufschuhe schnüren: Für Laurence ist der Nachwuchs gesichert.
Wir wünschen dieser außergewöhnlichen Lauf-Oma weiterhin alles Gute.