Camille Massols steiler Weg an die Spitze
Camille Massol ist gerade einmal 30 Jahre alt und lebt in Bordeaux. Sportliche Vorerfahrung hatte sie keine, als sie vor einigen Jahren spät zum Laufen kam. Daraus entwickelte sich eine echte Liebesgeschichte: die Liebe zu Laufschuhen und Kilometern. Im Interview erzählt Camille von ihrem Weg und beantwortet unsere Fragen zu ihrer beeindruckenden Entwicklung.
Camille entdeckt das Laufen
2019 entdeckte die Läuferin aus Bordeaux nach der Geburt ihres kleinen Sohnes den Laufsport. „Ich hatte eine schwierige Schwangerschaft und musste liegen. Nach der Geburt hatte ich etwa 35 Kilo zugenommen und wollte Gewicht verlieren. Dafür probierte ich verschiedene Diäten aus, aber nichts funktionierte. Also beschloss ich, mit dem Laufen anzufangen. Am Anfang war es wirklich keine Leidenschaft. Es dauerte mehrere Monate, bis ich Freude daran fand. Dann kam Corona, und ich hörte komplett auf zu laufen, bevor ich 2021 wieder anfing. Damals trat ich dem örtlichen Leichtathletikverein bei: Bordeaux Athlé. Von diesem Moment an ging alles sehr schnell. Ich fand Freundinnen, fühlte mich dem Verein zugehörig. Die wohlwollende Atmosphäre und die gegenseitige Unterstützung waren ein echter Motivationsschub.“
Eine steile Entwicklung
Die laufbegeisterte Camille liebt vor allem Straßenläufe über Distanzen von 10 Kilometern bis zum Marathon. Ihre Lieblingsdistanz ist dabei der Marathon. Beim Marathon de Paris stellte sie 2024 mit 2:46 Stunden ihre persönliche Bestzeit auf. Dazu kommen 34:11 Minuten über 10 Kilometer und 1:17:41 Stunden im Halbmarathon. Zeiten, die echtes Talent über jede Distanz erkennen lassen.
Was empfindest du als zweitbeste Französin beim Marathon de Paris 2024?
„Ich hatte keine Ahnung davon und konnte es nicht glauben. Im Ziel habe ich nur geweint. Ich brauchte sehr lange, um das zu begreifen.“ Als Camille von diesem Moment erzählt, in dem sie nach 2:46 Stunden durch den Zielbogen läuft, ist die Gänsehaut an ihren Unterarmen förmlich spürbar. Als könnte sie diese Riesenleistung noch immer nicht ganz fassen. Nur zwei Jahre zuvor, 2022, war sie den Marathon noch in 3:34 Stunden gelaufen.
Hättest du jemals gedacht, ein solches Niveau zu erreichen?
„Nein, wirklich nie. Als Jugendliche mochte ich Sport nicht. Als ich mit dem Laufen anfing, wollte ich einfach Wettkämpfe beenden, nicht jedes Mal schneller sein als zuvor.“ Wenn Camille von ihren Anfängen erzählt, fällt es schwer, den zurückgelegten Weg zu begreifen, so gewaltig ist ihre Entwicklung. In drei Jahren 36 Minuten schneller im Halbmarathon, in zwei Jahren 48 Minuten schneller im Marathon und sie ist noch lange nicht am Ziel …
Gab es auf diesem Weg Schwierigkeiten?
„Insgesamt eigentlich wenige. Verletzungen gehören für mich zum Läuferleben. Ich sehe sie nicht als Schwierigkeit, sondern eher als Lernprozess. Was mir manchmal Probleme bereitet hat, war, meinen Platz zu finden. Ich hatte Schwierigkeiten, mich zugehörig und berechtigt zu fühlen. Ich dachte, ich hätte es mit dieser Entwicklung nicht verdient, hier zu sein.“ Es ist wichtig zu erwähnen, dass Camilles Entwicklung zwar gewaltig ist, sie dafür aber auch viele Stunden trainiert: rund 100 Kilometer pro Woche, ergänzt durch Krafttraining, Mobilitätsübungen und Yoga.
Was sind die Schlüssel zu deiner Entwicklung?
„Ich würde sagen, es kommen mehrere Dinge zusammen: sicherlich meine tiefe und ehrliche Liebe zum Laufen und außerdem mein Trainer, der mich seit einem Jahr betreut. Wir sind ein tolles Team. Er weiß, wie ich funktioniere. Mir ist bewusst, dass ich ihm und seiner Begleitung viel verdanke. Außerdem beschäftige ich mich gerne mit allen Stellschrauben, an denen man für bessere Leistungen drehen kann, etwa mit mentaler und körperlicher Vorbereitung, Ernährung und Regeneration.“
Der Marathon de Sevilla als nächstes Ziel
Am 23. Februar findet der Marathon de Sevilla statt. Nach einem Jahr voller Arbeit und Vorbereitung geht die leidenschaftliche Marathonläuferin so motiviert wie nie an ihren nächsten Start. Ihr Ziel: möglichst nahe an die Marke von 2:40 Stunden heranzukommen.
Was können wir dir für 2025 wünschen?
„Zunächst hoffe ich, dass Sevilla gut läuft. 2025 wird ein Jahr voller Veränderungen: ein neues Berufsleben, weniger Einschränkungen und damit mehr Zeit fürs Training.“
Danke für das Interview, Camille. Viel Erfolg in Sevilla und alles Gute für deinen weiteren Weg.