Morhad Amdouni, französischer Marathonmeister: „Ich kann problemlos 2:04 bis 2:05 laufen, mit besserer Form sogar 2:02 bis 2:03“

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Von François-Xavier De Chateaufort

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Morhad Amdouni, französischer Marathonmeister: „Ich kann problemlos 2:04 bis 2:05 laufen, mit besserer Form sogar 2:02 bis 2:03“

Morhad Amdouni ist am Sonntag in Ambès (Gironde) erstmals französischer Marathonmeister geworden. Der französische Rekordhalter setzte sich in 2:13:21 Stunden durch und gewann damit den 13. nationalen Titel seiner Karriere. Für den Läufer aus Porto-Vecchio war es ein gelungenes Comeback. Er ist überzeugt, noch immer Spitzenzeiten laufen zu können, und hofft auf weitere Erfolge. Das Interview.

Morhad, Sie feiern Ihr Comeback mit dem französischen Marathontitel. Welches Gefühl überwiegt?

Ich war bis zum Halbmarathon mit Florian Caro zusammen. Mein einziges Ziel war der französische Meistertitel, unabhängig von der Zeit. Mein Trainingslager in Kenia wurde gestört. Anfang April, eine Woche vor dem Rotterdam-Marathon am 12. April, hat mich ein Motorrad angefahren. Dadurch konnte ich mich nicht optimal vorbereiten. Ich bin nicht so viele Kilometer gelaufen wie geplant und habe nur wenige lockere Läufe gemacht. Gestern war zum Beispiel mein erster langer Lauf seit einiger Zeit. Ich bin für den Titel gelaufen, habe das Rennen aber auch als Training gesehen, mit einem gewissen Druck, den Titel zu holen, weil ich französischer Rekordhalter bin. Die französischen Meisterschaften waren ursprünglich nicht Teil meiner Planung. Für mich war es jedoch wichtig, all jenen Anerkennung zu zollen, die mich jeden Tag unterstützen, insbesondere meinem ersten Trainer Hafid Hammaoui, der vor neun Monaten gestorben ist. Gleichzeitig wollte ich diese Veranstaltung aufwerten.

Es ist meine Art, den Menschen zu danken, die mich täglich begleiten, und für die Anstrengungen belohnt zu werden, die ich investiert habe, um nicht aufzugeben und weiterzumachen. Ich bin entschlossen und ehrgeizig. Ich will noch große Titel gewinnen.

Morhad Amdouni

Ab dem Halbmarathon haben Sie das Kommando übernommen

Bei Kilometer 12 oder 13 waren Florian Caro und ich zusammen. Er hatte im Gegensatz zu mir ein Zeitziel, wir lagen auf Kurs für 2:10 bis 2:11 Stunden. Er wollte, dass wir so weitermachen, doch irgendwann musste er abreißen lassen. Ich habe versucht, noch etwas bei ihm zu bleiben, aber ich sah, dass er am Limit war. Also bin ich mein Rennen in meinem Tempo weitergelaufen. Es ging um die Meisterschaft und den nationalen Titel.

Wie haben Sie diese Schlussphase allein bewältigt?

Etwa bei Kilometer 25 gab es mehrere Attacken und Tempoverschärfungen im Feld. Ich merkte, dass das Tempo bereits sehr hoch war. Deshalb versuchte ich, die Angriffe jeweils abzufangen, und das funktionierte sehr gut. Ich lief ständig am Limit und schaffte es gerade noch, wieder heranzukommen, weil ich den Eindruck hatte, dass die anderen sich nach jeder Attacke ein wenig belauerten. Ich habe an mich geglaubt. Ich wusste, dass ich drei oder vier Minuten leiden würde, aber auch, dass das Tempo vielleicht wieder herausgenommen würde und ich zurückkommen könnte.

Es gibt die Normen. Aber wenn ein Verband sieht, dass Potenzial vorhanden ist und ein Athlet um eine Medaille kämpfen kann, sollte man diese Chance nicht ungenutzt lassen.

Morhad Amdouni

Die Zeit war am Sonntag nicht Ihr Ziel. Wo liegt Ihr aktuelles Leistungsvermögen im Marathon?

Mit dem wenigen Training, das ich derzeit in den Beinen habe, kann ich meiner Einschätzung nach problemlos 2:04 bis 2:05 Stunden laufen. Mit besserer Form sind sogar 2:02 bis 2:03 möglich. Als französischer Marathonmeister hatte ich gehofft, damit eine Chance auf die Europameisterschaften in Birmingham zu bekommen und dass man mir angesichts meiner Bilanz und meines französischen Rekords, den ich vor zwei Jahren aufgestellt habe, Vertrauen schenkt. Ich bin viele Male für Frankreich gelaufen und habe das Trikot der Nationalmannschaft verteidigt, mit dem EM-Titel über 10.000 Meter, Medaillen und einem achten Platz bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften. Auch die Leistungen der Vergangenheit können sportlich honoriert werden. Natürlich wusste ich, dass es schwierig werden würde, weil es Normen gibt. Aber wenn ein Verband Potenzial erkennt und ein Athlet um eine Medaille kämpfen kann, sollte man diese Chance nicht ungenutzt lassen. Das wäre auch eine Möglichkeit gewesen, die französischen Meisterschaften aufzuwerten.

Es gibt definitiv einen Marketingkrieg zwischen Nike, adidas und anderen Marken. Wir sind in eine andere Dimension vorgestoßen, in der das Geld regiert.

Morhad Amdouni

Wenn man es Ihnen angeboten hätte: Wären Sie bereit gewesen, an den Europameisterschaften im Marathon teilzunehmen?

Mit einer Vorbereitung über drei oder vier Monate, ja. Ich will zeigen, dass ich noch auf dem Podium stehen kann. Crippa hat mit seinem Sieg beim Paris-Marathon zwar starke Leistungen gezeigt, aber manchmal muss man den Athleten vertrauen, mit Konventionen brechen und sie in den Mittelpunkt rücken, wenn es um den Wettkampf geht. Auch das, was Emmanuel Roudolff-Levisse geleistet hat, ist enorm. Es zeigt, dass sich der französische Marathon weiterentwickelt. Ich spüre aber, dass ich noch etwas zu zeigen habe. Mein Maximum liegt nicht bei 2:03 Stunden. Was ich im Training leiste, entspricht noch nicht dem, was ich im Wettkampf zeige. In Sevilla hätte ich meiner Meinung nach problemlos 2:02 Stunden laufen können. Solange man nicht alles gegeben hat, weiß man nicht, wozu man fähig ist. Im Moment plane ich keinen weiteren Marathon. Mir fehlt noch etwas mehr Konstanz im Training, und ich muss Verletzungsprobleme vermeiden.

Was denken Sie über den historischen London-Marathon, insbesondere über den Weltrekord von Sabastian Sawe in 1:59:30 Stunden?

Es gibt definitiv einen Marketingkrieg zwischen Nike, adidas und anderen Marken. Wir sind in eine andere Dimension vorgestoßen, in der das Geld regiert. Auf Zeiten unter zwei Stunden haben wir lange gewartet. Nun haben es in einem Rennen zwei adidas-Athleten vor einem Nike-Läufer geschafft, und alle drei blieben unter dem bisherigen Weltrekord. Das hat mich am meisten überrascht. Im Marketing beginnt eine neue Ära, die wir so noch nicht kennen. Sabastian Sawe hat wie die anderen dafür gearbeitet, diesen Rekord zu holen, und alles dafür getan. Aber er hat diese Leistung nicht allein vollbracht, wenn man all die zu berücksichtigenden Faktoren betrachtet. Die Leistung ist real, doch man muss sich die Tempi vor Augen führen: 27:36 Minuten zwischen Kilometer 30 und 40 sind enorm. Die Disziplin entwickelt sich mit diesen neuen Zielen und Herausforderungen weiter. Umso besser für ihn.