Zwischen Menschlichkeit und Leistung nimmt Emmanuel Bonnier die 24-Stunden-WM ins Visier

RC
Von Renaud Chevalier

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Zwischen Menschlichkeit und Leistung nimmt Emmanuel Bonnier die 24-Stunden-WM ins Visier
© Marathons.com

Mit einer herausragenden Leistung über 12 Stunden in Nantes am 13. September (145,033 km) qualifizierte sich Emmanuel Bonnier für die 24-Stunden-Weltmeisterschaften Mitte Oktober in Albi in der Open-Kategorie. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu seinem großen Traum: das französische Nationaltrikot zu tragen. Neben der sportlichen Herausforderung startet der Läufer aus dem Anjou auch für Ô Ma Vie, eine Organisation, die krebskranken Kindern Herzenswünsche erfüllt.

Er selbst hätte wohl kaum daran geglaubt. Nach gerade einmal acht Jahren im Laufsport tritt der Läufer aus dem Loiretal in wenigen Wochen bei den 24-Stunden-Weltmeisterschaften in Albi neben Michael Boch (Ac Vallee Ste-Marie-Mines, fünf Einsätze) und Diego Filiu (Zoom Volt Runners) an. Emmanuel Bonnier will dort nicht nur dabei sein: Der Mann aus dem Anjou peilt die besten französischen Platzierungen, vielleicht sogar „eine internationale Top-10-Platzierung“, an. Der Sieger des Ultra-Trail de l’île d’Oléron 2025 (7:52 Stunden) läuft zwar nicht für Frankreich, da er in der Open-Kategorie startet. Er tritt jedoch unter denselben Bedingungen wie die Spitzenathleten an, inklusive medizinischer Betreuung vor Ort. Auf einer 1,5 Kilometer langen Runde rund um das Stade Maurice Rigaud gilt es, so viele Runden wie möglich zu absolvieren. „Ich starte mit einem Tempo von 4:30 Minuten pro Kilometer und will das 80 Kilometer lang halten. Danach gehe ich alle 20 Minuten für 45 Sekunden ins Gehen“, erklärt er.

Der Sieger von Tout Angers Bouge 2023 mag auf den ersten Blick etwas großspurig wirken, kann sich aber auf mehr als überzeugende Ergebnisse stützen. Ende Juni stand der Mitgründer der Sunday Runners beim Grand Raid de l’Ultra Marin über 175 Kilometer auf dem Podium, vor den Augen seiner Frau Latifa und seines fast drei Jahre alten Sohnes Noam. Dafür musste er tief in die Kraftreserven greifen und erlebte einen gehörigen Schreck. „Ab Kilometer 25 hatte ich Darmprobleme“, berichtet er. „Am Ende war ich dehydriert. Ich hatte nicht genug Wasser im Blut.“ Beim Essen eines Stücks Orange versagt sein Körper. „Ich wurde auf einer Trage abtransportiert. Sie holten den Defibrillator heraus.“ Im Krankenhaus von Vannes blieb der Dreißigjährige unter Beobachtung. Sein EKG ähnelte dem eines Infarktpatienten. Eine Auffälligkeit, die sich durch ein bei Ausdauerathleten typischerweise besonders kräftiges Herz erklären lässt.

Die 12 Stunden von Nantes, die richtige Entscheidung

Aktion, Reaktion. Seit diesem chaotischen Rennen arbeitet der Langstreckenläufer mit einem Ernährungstrainer zusammen. „Mit Florian Mouchel haben wir Schweißtests durchgeführt.“ Der Mann mit einem Ruhepuls von 36 Schlägen pro Minute testete außerdem seine Kohlenhydrataufnahme. „Ich konnte die Kohlenhydratmenge unter Belastung steigern, ohne Magen-Darm-Beschwerden zu bekommen.“ Drei Tage vor seinem 12-Stunden-Lauf in Nantes hatten wir noch telefonisch miteinander gesprochen. Seitdem hat Emmanuel Bonnier in der Stadt von Jules Verne eine Glanzleistung hingelegt. Der Praxistest unter Wettkampfbedingungen hätte kaum besser laufen können: Der Läufer aus dem Anjou holte den Sieg und kam auf 145,033 Kilometer, was einem Schnitt von 4:58 Minuten pro Kilometer entspricht. Beste Voraussetzungen für große Ziele in Okzitanien.

Neben der Zeit läuft der Verwalter seiner eigenen Immobilien auch dafür, krebskranken Kindern in unterschiedlichen Krankheitsstadien ihre Wünsche zu erfüllen. Dafür unterstützt er die Organisation Ô Ma Vie. „Alle Einnahmen aus dem Spendentopf gehen an die onkologischen Abteilungen der Universitätskliniken in Nantes und Angers.“ Disneyland Paris ist für einige der 60 betroffenen Kinder das große Wunschziel. Als Bonus gibt es die Möglichkeit, ihre Lieblingsfiguren zu treffen. „Manchmal hört einer der beiden Elternteile auf zu arbeiten. Das sind erhebliche Kosten.“ Das Ziel: einen Teil dieser Reisen zu finanzieren und „ihnen ein Leuchten in die Augen zu zaubern“. Vielleicht wird auch er selbst von seiner eigenen Leistung überwältigt sein.

Bis Juli war er noch nie mehr als 100 Kilometer gelaufen. Nun setzt Emmanuel Bonnier seinen kometenhaften Aufstieg bei den 24-Stunden-Weltmeisterschaften Mitte Oktober in Albi fort, mit dem Ziel, sich für die französischen Meisterschaften im April 2026 in Tullins in der Region Auvergne-Rhône-Alpes zu qualifizieren. Bisher kannte man ihn vor allem für seine verrückten Herausforderungen. Jetzt kennt man ihn auch für seine Menschlichkeit und seine Leistungen.