Boston-Marathon 2025: Sharon Lokedi und John Korir schreiben Geschichte
Der Boston-Marathon bot am Montag, dem 21. April, ein denkwürdiges Rennen mit herausragenden Leistungen. Die Kenianerin Sharon Lokedi gewann in 2:17:22 Stunden mit einem Streckenrekord nach einem epischen Duell mit der zweifachen Titelverteidigerin Hellen Obiri. Bei den Männern kämpfte sich John Korir nach einem heftigen Sturz am Start zurück und dominierte das Rennen in 2:04:45 Stunden.
Ideale Bedingungen in Boston? Das grenzt an ein kleines Wunder. Bei 8 °C und kaum Wind wollten sich die 28.928 gemeldeten Läuferinnen und Läufer diese Chance am Montagmorgen natürlich nicht entgehen lassen. Bei der 129. Ausgabe war das Elitefeld besonders stark besetzt: Zehn Männer wiesen Bestzeiten von unter 2:06 Stunden auf, sechs Frauen blieben unter 2:20. Doch in Boston entscheidet die Zeit nicht allein. Die Strecke ist anspruchsvoll und gnadenlos, sie stellt jeden Läufer auf die Probe und bringt die wahren Champions zum Vorschein.
Sharon Lokedi ist die neue Königin von Boston
Die Kenianerin Sharon Lokedi sorgte in Boston für ein Ausrufezeichen. Nachdem sie im vergangenen Jahr Zweite geworden war, wollte sie Revanche nehmen. Das gelang ihr eindrucksvoll. Mit 2:17:22 Stunden lief sie einen beeindruckenden Streckenrekord und stellte zugleich eine persönliche Bestzeit auf. 2022 hatte sie auch den New-York-Marathon gewonnen. Damit verhinderte sie einen historischen Hattrick ihrer Landsfrau Hellen Obiri.
Von Beginn an drückte eine fünfköpfige Spitzengruppe aufs Tempo und passierte die Halbmarathonmarke nach 1:08:46 Stunden. Bei Kilometer 30 wurde das Feld immer kleiner, ehe sich auf den Straßen Bostons das erwartete Duell zwischen Sharon Lokedi und Hellen Obiri entwickelte.
Auf dem letzten Kilometer schüttelte Lokedi Obiri endgültig ab. Auf der Boylston Street, der legendären Zielgeraden des Rennens, wirkte sie noch erstaunlich frisch und überquerte unter dem Jubel der Zuschauerinnen und Zuschauer die Ziellinie.
Für ihren Sieg kassierte sie ein Preisgeld von 200.000 US-Dollar (150.000 US-Dollar für den Sieg plus 50.000 US-Dollar für den Streckenrekord).
Hellen Obiri, zweifache Weltmeisterin über 5.000 Meter und zweifache Titelverteidigerin in Boston, wurde in 2:17:41 Stunden Zweite. Dahinter folgte die Äthiopierin Yalemzerf Yehualaw in 2:18:06. Die US-Amerikanerin Jess McClain belegte in 2:22:43 Stunden den siebten Platz und erzielte damit die beste Leistung einer US-Läuferin.
Auch Desiree Linden zeigte eine starke Leistung und kam nach 2:26:19 Stunden ins Ziel. Mit 41 Jahren bestritt die US-Amerikanerin ihren letzten Boston-Marathon als Profi. Bei diesem Rennen hatte sie 2018 als Siegerin bereits Geschichte geschrieben.
John Korir dominiert das Rennen
Bei den Männern sorgte eine starke Gruppe aus 15 Läufern für hohes Tempo und passierte die Halbmarathonmarke nach 1:01:52 Stunden. Die Spannung hielt bis Kilometer 32, dann setzte der Kenianer John Korir kurz vor dem berühmten Anstieg Heartbreak Hill eine verheerende Attacke. Auf dem hügeligsten Abschnitt des Rennens zwischen Kilometer 30 und 40 lief er die 10 Kilometer in 28:45 Minuten und sprengte die Spitzengruppe förmlich. Eine beeindruckende Vorstellung. Als er 800 Meter vor dem Ziel in die brodelnde Atmosphäre der Boylston Street eintauchte, blickte er mehrfach zurück und spürte die Verfolger näher kommen. Doch der Kenianer hielt bis zum Schluss stand. Er überquerte die Ziellinie nach 2:04:45 Stunden, der zweitschnellsten Zeit in der Geschichte des Boston-Marathons. Die Geschichte dahinter ist besonders: Nach seinem Bruder Wesley Korir, der 2012 gewann, ist er das zweite Familienmitglied mit diesem historischen Titel.
Alphonce Felix Simbu aus Tansania und Cybrian Kotut aus Kenia komplettierten das Podium im Sprint zeitgleich in 2:05:04 Stunden. Im Kampf um das Podium wurde der US-Amerikaner Conner Mantz mit nur vier Sekunden Rückstand Vierter. Seine starke Zeit von 2:05:08 Stunden bedeutete persönliche Bestzeit und die zweitschnellste Zeit eines US-Läufers bei diesem legendären Rennen. Mantz hatte sich mehr vorgenommen, doch eines ist sicher: Seine Zeit wird kommen.
Für Korir war dieser Sieg die Revanche für seine bisherigen Auftritte in Boston, bei denen er 2024 Vierter und 2023 Neunter geworden war. Zugleich bestätigte er seinen Status als Champion über die Marathondistanz, nachdem er 2024 in Chicago gewonnen hatte. Nach seinem Sturz am Start ermöglichten ihm taktische Übersicht und großer Kampfgeist eine Leistung auf höchstem Niveau.
Höhepunkte: Emotionen und inspirierende Leistungen
Boston schreibt immer wieder besondere Geschichten. Paula Radcliffe, die britische Leichtathletiklegende, vervollständigte ihre Trophäensammlung mit der Finisher-Medaille der sechs Majors. Mit 51 Jahren hatte sie 2025 beschlossen, die Laufschuhe noch einmal zu schnüren und diese letzte Herausforderung anzunehmen. Nachdem sie im Februar in Tokio ins Ziel gekommen war, bezwang sie nun Boston umgeben von Tausenden Laufbegeisterten. Ein schöner Beweis dafür, dass der Marathon eine einzigartige Verbindung zwischen der Weltelite und den Freizeitläuferinnen und -läufern schafft.
Neben den Eliteläufen war diese Ausgabe reich an bewegenden Momenten. Der Start wurde in historischer Atmosphäre mit einem Verweis auf den 250. Jahrestag des Patriots’ Day freigegeben, der an die erste Schlacht der Amerikanischen Revolution erinnert. Der Schweizer Marcel Hug feierte in der Rollstuhlkategorie seinen achten Sieg (1:21:34 Stunden) und wandelte damit auf den Spuren von Bob Hall, einem Pionier des Behindertensports, dessen erste offizielle Teilnahme sich zum 50. Mal jährte. Bei den Frauen im Rollstuhl feierte die US-Amerikanerin Susannah Scaroni ein starkes Comeback. Nach einem taktisch klugen Rennen setzte sie sich mit einer entscheidenden Attacke vor den Newton Hills durch.
Aus französischer Sicht Dorian Louvet, der mit seinem Projekt „Miles of Discovery“ antrat, nach 2:33:41 Stunden couragiert die Ziellinie. Der frühere Kandidat der französischen Realityshow Koh-Lanta teilte ein inspirierendes Abenteuer und zeigte, wie viel Schönheit in dieser Herausforderung und in der persönlichen Grenzerfahrung bei einem legendären Marathon steckt. Am Sonntag, dem 27. April 2025, wird er beim London-Marathon an der Startlinie stehen.
Der Boston-Marathon 2025 wurde seiner Legende mehr als gerecht. Pulverisierte Rekorde, große Emotionen und kollektive Begeisterung: Diese Ausgabe brachte fast 29.000 Läuferinnen und Läufer in einer einzigartigen Atmosphäre zusammen. Eliten und Freizeitläufer schrieben jeweils ihre eigene Geschichte. Mit den glanzvollen Siegen von Sharon Lokedi und John Korir, bestätigte Boston einmal mehr, dass dieser Lauf weit mehr ist als ein gewöhnlicher Marathon: eine magische Erfahrung, bei der Champions zum Vorschein kommen.