Europameisterschaften im Straßenlauf: Jimmy Gressier holt in Brüssel punktgenau Halbmarathon-Gold

CL
Von Clément Laborieux

Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026

Aktualisiert am Mi., 9. September 2026

Europameisterschaften im Straßenlauf: Jimmy Gressier holt in Brüssel punktgenau Halbmarathon-Gold
© STADION-ACTU

Er hatte es angekündigt und setzte es um. Am Tag vor dem Start machte Jimmy Gressier keinen Hehl daraus: Er war nach Brüssel gekommen, um seine Medaillensammlung zu erweitern. Schluss mit Solorekorden, der Nordfranzose wollte Edelmetall. Und er hielt dem Druck stand. Als großer Favorit im Halbmarathon der Europameisterschaften im Straßenlauf wurde Gressier seiner Rolle mit gewohntem Angriffslust gerecht. Das Ergebnis: ein souveräner kontinentaler Titel, eine starke Zeit von 59:45 Minuten und eine großartige Teamgeschichte, denn Frankreich holte auch Mannschaftsgold.

Ein Rennen ganz nach Jimmy Gressiers Geschmack: offensiv, kompromisslos, dominant

Schon auf den ersten Metern war klar, wohin die Reise geht. Kein Abtasten, kein Taktieren: Jimmy Gressier legte sofort los, ganz wie man es von ihm kennt. Nach knapp einem Kilometer, den er in 2:45 Minuten zurücklegte, war das Feld hinter dem kraftvollen Schritt des Franzosen bereits gesprengt. Nur drei Läufer konnten sein Tempo halten: der Norweger Awet Nftalem Kibrab, der Ire Efrem Gidey und Valentin Gondouin, Jimmys Trainingspartner. Doch die Auslese ließ nicht lange auf sich warten.

Schon bei Kilometer zwei merkte Valentin Gondouin, dass das Tempo zu hoch war, und nahm heraus. Die beiden anderen versuchten weiter, den Anschluss zu halten. Auf der anspruchsvollen Strecke mit 56 Höhenmetern wartete bei Kilometer drei die erste Schwierigkeit: Eine 400 Meter lange Steigung zwang die Führungsgruppe, das Tempo zu drosseln. Auf dem fünften Kilometer musste Efrem Gidey abreißen lassen und erkannte ebenfalls, dass er dem Franzosen an diesem Tag nicht Paroli bieten konnte. Awet Nftalem Kibrab hielt etwas länger dagegen, musste aber auf dem achten Kilometer ebenfalls reißen lassen. Vorne spulte Jimmy sein Programm unbeeindruckt ab. Er genoss das Rennen sichtlich und feuerte die Zuschauer auf einem Abschnitt durch die Stadt an. Wie ein Metronom konstant unterwegs, mit 13:52 Minuten auf den ersten fünf Kilometern und 13:58 auf den folgenden fünf, setzte er sich bereits uneinholbar ab.

Der Europarekord von Julian Wanders in 59:13 Minuten? Der Sohn des Nordens war auf Kurs, ihn zu brechen, doch diesmal sollte es noch nicht reichen. Trotz guter Wetterbedingungen war die Strecke mit zahlreichen Anstiegen auf den letzten drei Kilometern zu anspruchsvoll. Der Athlet vom Boulogne-Sur-Mer Ac überquerte die Ziellinie in 59:45 Minuten (2:50 min/km), eine Sekunde schneller als seine bisherige Bestzeit. Und natürlich lieferte Jimmy auch den passenden Stil dazu: Wie ein Hindernisläufer sprang er mit einem Lächeln auf den Lippen über das Zielband. Der Franzose ist Europameister im Halbmarathon!

 Ich bin sehr glücklich. Dafür bin ich hergekommen. Es ist mein erster Titel bei den Senioren. Der Halbmarathon ist eine Distanz, die ich liebe. Mein Plan war, vom Start weg schnell zu laufen, ganz allein zu laufen und am Ende noch einmal zuzulegen, um das Rennen zu gewinnen.

Jimmy Gressier

Valentin Gondouin holt Bronze: Frankreich gewinnt Teamgold

Hinter Jimmy Gressiers Einzelerfolg glänzte ein ganzes Team. Valentin Gondouin hatte sich zunächst im Windschatten des Spitzenreiters bewegt, bewahrte aber den Überblick. In einem heroischen Schlusssprint sicherte er sich eine starke Bronzemedaille in 1:01:54 Stunden (2:56 min/km) und verwies den Iren Efrem Gidey um eine knappe Sekunde auf den vierten Platz. Für Gondouin war es die erste kontinentale Medaille seiner Karriere, zugleich unterstrich sie seine starke Entwicklung auf der Straße.

Bastien Augusto und Raphaël Montoya belegten in 1:02:58 beziehungsweise 1:03:16 Stunden die Plätze 15 und 16. Zusammen mit den Zeiten ihrer Teamkollegen bescherten sie Frankreich den Europameistertitel in der Mannschaftswertung. Eine herausragende Teamleistung, die den starken Aufwärtstrend der französischen Mittelstrecke unterstreicht.

Bei den Frauen wurde die Belgierin Chloé Herbiet in 1:10:43 Stunden Europameisterin. Die Französin Mélanie Allier kam in starken 1:13:05 Stunden auf den zwölften Platz.

Für Gressier geht es zur WM, für die Bleus weiter

Dieser EM-Titel ist ein wichtiger Meilenstein in Jimmy Gressiers Entwicklung. Mit 27 Jahren scheint der Europarekordler über 5 Kilometer auf der Straße die Balance zwischen Bestzeitenjagd und Medaillenambitionen gefunden zu haben. Er hatte es angekündigt: „Rekorde kann man schlagen. Medaillen bleiben.“ Diese Medaille wird er sorgfältig in einem Schrank verstauen, den er in den kommenden Monaten und Jahren noch gut zu füllen gedenkt.

Wie geht es weiter? Bei den Weltmeisterschaften wird Jimmy erneut um einen Podestplatz kämpfen. Zur Vorbereitung will er einen Trainingsblock über 3.000 Meter Hindernis einlegen, eine Disziplin, in der der Nordfranzose seine Kombination aus Schnelligkeit und Ausdauer ausspielen kann. Zuvor aber gehören die Zeit den Teamkollegen und der Regeneration. Am Sonntag kämpfen die Bleus über 10 Kilometer und im Marathon weiter um Podestplätze. Nach diesem furiosen Auftakt hat Frankreich eine klare Ansage gemacht: Das Team ist gekommen, um zu glänzen. Der Halbmarathon war erst der Anfang.


| Die Show geht morgen mit dem 10-Kilometer-Lauf (9:30 Uhr) und dem Marathon (10:15 Uhr) weiter.

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