Europameisterschaften im Running: Yann Schrub und Frankreich holen in Brüssel den 10-km-Titel
Nach Jimmy Gressiers glanzvollem Sieg im Halbmarathon am Vortag legte Frankreichs Nationalteam am Sonntag in Louvain nach und dominierte den 10-km-Lauf. Yann Schrub lief souverän zum Europameistertitel, Étienne Daguinos machte den französischen Doppelsieg mit Silber perfekt. Wie schon am Vortag ging auch die Teamwertung an Frankreich. Ein perfektes Wochenende für die französische Mannschaft, die Europas Laufszene nun anführt.
Ein französisches Duo gibt auf höchstem Niveau den Ton an
Das Drehbuch ist beinahe zu schön, um wahr zu sein. Schon nach den ersten Metern richten sich die Blicke auf die blauen Trikots. Yann Schrub und Etienne Daguinos übernehmen früh die Kontrolle, begleitet vom Belgier Isaac Kimeli. Durchgang bei 5 km: 13:50 Minuten (2:46 min/km). Abwechselnd machen die Franzosen das Tempo und versuchen, den Belgier abzuschütteln. Etienne Daguinos läuft häufig an der Spitze, doch Kimeli hält den Kontakt und bleibt in der Führungsgruppe. Die Entscheidung fällt auf der Zielgeraden: Der aus Metz stammende Yann Schrub spielt seine Spurtstärke aus. 500 Meter vor dem Ziel zieht er unwiderstehlich an und distanziert seine beiden Konkurrenten. Der Cross-Europameister von 2023, Yann Schrub, 28 Jahre alt, überquert die Ziellinie nach 27:37 Minuten (2:46 min/km) und lässt seinen Emotionen freien Lauf. Eine neue persönliche Bestzeit und vor allem der Europameistertitel!
Hinter ihm gibt Étienne Daguinos nicht nach. Der Bordelaiser, dessen Spezialdisziplin die 10 Kilometer sind, bleibt dran und wird in 27:46 Minuten (2:47 min/km) Zweiter. Der Belgier Isaac Kimeli komplettiert das Podium und holt in 27:58 Minuten Bronze.
Nur wenige Sekunden fehlten zum französischen Dreifachsieg: Fabien Palcau wird in 28:05 Minuten Vierter und verpasst das Podium denkbar knapp. Für den Teamerfolg der französischen Mannschaft spielt er dennoch eine entscheidende Rolle.
Der zweite Streich: Frankreich gewinnt auch die Teamwertung
Mit drei Läufern unter den ersten vier war kaum mehr möglich. Und die guten Nachrichten reißen nicht ab: Dank der starken Leistungen von Simon Bédard (20. in 28:39 Minuten) und Baptiste Guyon (35. in 29:12 Minuten) sichert sich Frankreich einen weiteren Europameistertitel in der Teamwertung. Den zweiten innerhalb von zwei Tagen. Nach dem Halbmarathon dominiert Frankreich die kontinentale Bühne also auch über 10 Kilometer.
Dieser Mannschaftserfolg ist auch das Ergebnis langfristiger Arbeit, gegenseitiger Konkurrenz und der zunehmenden Stärke eines vielseitig aufgestellten Teams. Eine beeindruckende Machtdemonstration, die Frankreichs Mittelstreckler in Europa und auch weltweit ins Rampenlicht rückt.
Ich bin sehr glücklich. Ich habe zwei Goldmedaillen, das ist ein großartiger Tag. Für mich und auch für die französische Mannschaft. Meine Beine waren heute gut. Es ist ein Meisterschaftsrennen, deshalb habe ich beschlossen, nicht das Tempo zu machen und Kraft für die letzten 200 Meter zu sparen.
Auch Frankreichs Frauen holen eine Teammedaille
Auch wenn die Leistungsdichte bei den Frauen noch nicht vergleichbar ist, nutzen die Französinnen ihre Chance mit großer Entschlossenheit. Angeführt von einer Mekdes Woldu mit beeindruckendem Kampfgeist (Achte in 31:43 Minuten) holt Frankreichs Frauenteam die Bronzemedaille in der Teamwertung, die erste bei den Seniorinnen auf der Straße seit 2015. „Das ist unglaublich!“ Die Läuferin, die vor Kurzem den französischen Marathonrekord gebrochen hat, kann nun ihre erste Mannschaftsmedaille im blauen Trikot feiern. Hinter ihr behaupten sich Léonie Périault (Zwölfte in 32:11 Minuten) und Aude Clavier (19. in 32:34 Minuten) souverän. Unterstützt werden sie von Célia Tabet (25. in 32:44 Minuten) und Coraline Maâmouri (71. in 34:36 Minuten). Eine Leistung, die viel über das große Potenzial dieser aufstrebenden Gruppe aussagt.
Enttäuschung im Marathon trotz großem Kampf
Zum Abschluss der ersten Ausgabe der Europameisterschaften im Running blieb Frankreichs Marathonteam hinter den Erwartungen zurück. Bei den Frauen versuchten Mélody Julien (Zehnte in 2:33:41 Stunden) und Clémence Calvin (11. in 2:34:20 Stunden), das von den Spanierinnen angeschlagene Tempo mitzugehen, konnten in der zweiten Rennhälfte aber nicht mehr folgen. Bei den Männern wurde es für die Franzosen ein schwieriges Rennen: Michaël Gras musste wegen einer Zerrung gehandicapt weit unter seinen gewohnten Möglichkeiten bleiben (36. in 2:42:05 Stunden). Benjamin Choquert und Emmanuel Roudolff-Levisse mussten das Rennen wegen Muskelverletzungen aufgeben.
| Mit sieben Medaillen, darunter vier Europameistertiteln, verlässt Frankreich Louvain als unangefochtener Spitzenreiter dieser ersten Ausgabe der Europameisterschaften im Running. Ein Wochenende voller Erfolge, Zusammenhalt und vielversprechender Signale für die Zukunft. Gold für die Männer, Bronze für die Frauen und ein wiedererstarkter Teamgeist. Wenige Monate vor der Weltmeisterschaft in Tokio ist die Botschaft klar: Frankreich ist in Form und will weiter für Furore sorgen. Die Welt ist gewarnt.