Boston-Marathon 2026: John Korir pulverisiert den Streckenrekord

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Von Clément Laborieux

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Boston-Marathon 2026: John Korir pulverisiert den Streckenrekord
© Boston Athletic Association

Boston enttäuscht nie. Doch manche Jahre bleiben stärker im Gedächtnis als andere. Die 130. Ausgabe des Boston-Marathons bestätigte die Magie zwischen Hopkinton und Boylston Street. Die Bedingungen waren perfekt für ein großes Rennen: wolkenloser Himmel, kühle Temperaturen um 5 °C, leichter Rückenwind und ein Weltklassefeld. Wie an jedem Patriots’ Day säumten Tausende Zuschauer die Strecke und erlebten die totale Dominanz von John Korir und Sharon Lokedi. Die beiden kenianischen Titelverteidiger setzten sich eindrucksvoll durch: Lokedi in 2:18:51 Stunden und vor allem Korir in 2:01:52. Korir pulverisierte den 15 Jahre alten Streckenrekord. Eine überragende Leistung auf einem Kurs, der nichts verzeiht. Der Rückblick auf einen Tag, der in die Marathon-Geschichte eingehen wird.

Ein spektakuläres Männerrennen mit einem überragenden John Korir

Das Rennen beginnt schnell. Sehr schnell sogar. Das abfallende Streckenprofil nutzen mehrere Außenseiter wie Rory Linkletter, Zouhair Talbi und Hendrik Pfeiffer und setzen sich an die Spitze. Dahinter beobachten die Favoriten das Geschehen. John Korir und Benson Kipruto halten sich in einer rund 20 Läufer starken Spitzengruppe schadlos. Eine klassische Boston-Strategie. Hier gewinnt man das Rennen nicht auf den ersten 15 Kilometern.

Die Passage am Wellesley College durch den legendären Scream Tunnel sorgt für den ersten Gänsehautmoment. Das Publikum peitscht die Läufer an, und die antworten auf ihre Weise. Sogar der US-Amerikaner Clayton Young löst sich kurz aus der Gruppe, um mit den Zuschauern abzuklatschen. Doch das eigentliche Rennen beginnt erst später.

Rund um die Halbmarathonmarke nimmt das Tempo weiter zu. Lemi Berhanu verschärft. Als Erster passiert er die Halbmarathonmarke, in 1:01:43 Stunden. Doch diesmal reagiert John Korir sofort und lässt ihn nicht davonziehen. In dieser Rennphase gilt es, den Kontakt zur Spitzengruppe zu halten. Auch Milkesa Mengesha mischt sich ein und versucht es allein. Über mehrere Kilometer entwickelt sich ein echtes Jo-Jo-Rennen mit Angriffen aus allen Richtungen. Genau das ist der Boston-Marathon.

Dann kommt Newton. Und mit Newton setzt sich die natürliche Selektion durch. Die Anstiege reihen sich aneinander, die Läufer werden langsamer. Kurz vor Heartbreak Hill entscheidet John Korir, dass jetzt der Moment gekommen ist. Eine klare, saubere, beinahe eiskalte Tempoverschärfung. Er schließt zu Milkesa Mengesha auf, lässt ihn stehen und blickt nicht mehr zurück.

Dahinter versuchen Alphonce Simbu und Benson Kipruto, den Schaden zu begrenzen. Doch der Abstand wächst: 30 Sekunden, dann noch mehr. Korir fliegt an der Spitze. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Schritt ist flüssig, sein Gesicht unbewegt und konzentriert. Mit beeindruckender Leichtigkeit läuft er hinunter nach Boston. Mehrfach dreht er sich um, denn er weiß, dass seine beiden Verfolger einen starken Endspurt haben. Doch heute ist er zu stark. Schließlich erreicht er die Boylston Street, ganz allein an der Spitze.

Mit einem breiten Lächeln und unter gewaltigem Jubel überquert John Korir die Ziellinie in 2:01:52 Stunden. 15 Jahre nach Geoffrey Mutais Bestmarke stellt er einen neuen Streckenrekord auf. Eine grandiose Leistung, die alle Marathonfans auf einem unerbittlichen Kurs ins Träumen versetzt. Korir bestätigt damit, dass er derzeit zu den besten Marathonläufern der Welt gehört.

Dahinter fällt die Entscheidung denkbar knapp. Alphonce Simbu setzt sich im Sprint vor Benson Kipruto auf Platz zwei durch. Das Podium ist in diesem Jahr außergewöhnlich: Alle drei Athleten bleiben unter dem alten Streckenrekord. Boston hatte auf dem Papier eines der stärksten Elitefelder der Geschichte versprochen, und die Erwartungen wurden erfüllt. Das Rennen war von Anfang bis Ende spektakulär, mit Angriffen auf der gesamten Strecke und einem furiosen Finale für John Korir.

Ich wusste, dass ich meinen Titel verteidigen würde, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell laufen kann. Viele Jahre lang hatte ich den Streckenrekord im Kopf (Anm. d. Red.: 2:03:02 Stunden, aufgestellt von Geoffrey Mutai im Jahr 2011). Ich danke Gott, dass ich ihn heute endlich erreicht habe.

John Korir

Männerwertung
1. John Korir (Kenia) 2:01:52 (neuer Streckenrekord)
2. Alphonce Simbu (Tansania) 2:02:47
3. Benson Kipruto (Kenia) 2:02:50
4. Hailemariam Kiros (Äthiopien) 2:03:42
5. Zouhair Talbi (USA) 2:03:45
6. Tebello Ramakongoana (Lesotho) 2:04:18
7. Charles Hicks (USA) 2:04:35
8. Richard Ringer (Deutschland) 2:04:47
9. Alex Masai (Kenia) 2:05:32
10. Milkesa Mengesha (Äthiopien) 2:05:35
11. Clayton Young (USA) 2:05:41
12. Ryan Ford (USA) 2:05:46
13. Joe Klecker (USA) 2:05:56
14. Rory Linkletter (Kanada) 2:06:04
15. Yemane Haileselassie (Eritrea) 2:06:06
16. Nicholas Kipkorir (Kenia) 2:06:07

Sharon Lokedi verteidigt ihren Titel souverän

Zehn Minuten nach den Männern setzt sich auch das Frauenfeld in Bewegung. Das Teilnehmerfeld ist dicht besetzt und international, 18 Nationen sind vertreten. Der Rennbeginn fällt ruhiger aus als bei den Männern. Schnell bildet sich eine kompakte Gruppe von rund 20 Läuferinnen. Die US-Amerikanerinnen Dakotah Popehn und Kodi Kleven gestalten die ersten Kilometer, ohne jedoch eine echte Lücke zu reißen.

Bei einer Halbmarathonzeit von 1:11:02 Stunden ist noch alles offen. Dann beginnt sich das Feld allmählich auszudünnen. Annie Frisbie versucht es allein. Dahinter bleiben die Favoritinnen geduldig. Unter ihnen: eine unauffällige, aber gut platzierte Läuferin namens Sharon Lokedi.

Wie bei den Männern fällt die Entscheidung in den Newton Hills. Kurz vor Heartbreak Hill zerfällt die Gruppe. Übrig bleiben nur noch wenige Anwärterinnen: Sharon Lokedi, Irine Cheptai und Loice Chemnung.

Dann kommt der entscheidende Moment. Sharon Lokedi beschleunigt. Ein klarer, entschlossener Angriff. Irine Cheptai versucht zu folgen, kann das Tempo aber nicht halten. Lokedi baut den Vorsprung Meter für Meter, Schritt für Schritt aus. Im Gefälle hinunter nach Boston ist sie beeindruckend: kraftvoll, locker, uneinholbar. Zum dritten Mal läuft sie in Boston. Sie kennt das Rennen in- und auswendig. Im vergangenen Jahr stellte sie hier nach einem denkwürdigen Duell mit ihrer großen Rivalin Hellen Obiri sogar den Streckenrekord in 2:17:22 Stunden auf. Obiri ist diesmal nicht am Start, sie hat sich für London entschieden. Das Tempo ist dadurch etwas langsamer, was Lokedi eindeutig in die Karten spielt.

Mit einem Lächeln erreicht sie die Boylston Street. Ein Lächeln nach einem Rennen, das sie vollkommen kontrolliert hat. Sharon Lokedi gewinnt in 2:18:51 Stunden und schafft damit einen historischen Titel-Hattrick in Serie. Loice Chemnung wird Zweite, Mary Ngugi-Cooper macht das rein kenianische Podium komplett.

Bemerkenswert ist auch die starke Leistung der US-Amerikanerin Jess McClain, die in Boston die beste US-Leistung der Geschichte erzielt.

Frauenwertung
1. Sharon Lokedi (Kenia) 2:18:51
2. Loice Chemnung (Kenia) 2:19:35
3. Mary Ngugi-Cooper (Kenia) 2:20:07
4. Mercy Chelangat (Kenia) 2:20:30
5. Jess McClain (USA) 2:20:49
6. Irine Cheptai (Kenia) 2:20:54
7. Workenesh Edesa (Äthiopien) 2:21:52
8. Annie Frisbie (USA) 2:22:00
9. Emily Sisson (USA) 2:22:39
10. Carrie Ellwood (USA) 2:22:53
11. Bedatu Hirpa (Äthiopien) 2:23:58
12. Dakotah Popehn (USA) 2:24:04
13. Elena Hayday (USA) 2:24:45
14. Kodi Kleven (USA) 2:24:48
15. Amanda Vestri (USA) 2:24:49
16. Isobel Batt-Doyle (Australien) 2:25:06

Die US-Amerikaner liefern ab

Und dann muss über die US-Amerikaner gesprochen werden. Denn in Boston wartet man natürlich auf sie. Es ist ihr Monument, ihr prestigeträchtigster Marathon, ihr traditionsreichster Termin, das Rennen, bei dem man dabei sein muss, wenn man auf der Weltbühne eine Rolle spielen will. In diesem Jahr enttäuschten sie bei einem der stärksten Felder der Renngeschichte nicht. Bei den Männern belegte Zouhair Talbi in 2:03:45 Stunden Platz fünf und erzielte damit die beste Zeit eines US-Amerikaners überhaupt. Direkt dahinter folgte Charles Hicks auf Rang sieben in 2:04:35, ebenfalls schneller als die bisherige US-Bestmarke. Und das mit gerade einmal 24 Jahren und bei seinem zweiten Marathon überhaupt. Einfach außergewöhnlich. Doch damit nicht genug. Dahinter ist die Leistungsdichte enorm: Clayton Young in 2:05:41, Ryan Ford in 2:05:46 und Joe Klecker in 2:05:56. Damit blieben fünf US-Amerikaner bei einem Marathon wie Boston unter 2:06 Stunden. Das gab es noch nie.

Bei den Frauen lief Jess McClain ein herausragendes Rennen. Als Fünfte in 2:20:49 Stunden war sie die beste US-Amerikanerin des Tages und setzte eine neue US-Bestmarke in Boston, vor Annie Frisbie (2:22:00), Emily Sisson (2:22:39) und Carrie Ellwood (2:22:53), die allesamt in den Top 10 landeten. Boston zeigt in diesem Jahr, dass der US-Marathon nicht mehr nur von einigen wenigen Aushängeschildern wie Conner Mantz oder Clayton Young getragen wird. Dahinter wächst eine breite Spitze heran. Die Leistungsdichte nimmt von Jahr zu Jahr zu. Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles auf heimischem Boden verspricht dieser Konkurrenzkampf ein hochspannendes Rennen um die drei Startplätze. Die US-Ausscheidung findet bei einem von USA Track & Field veranstalteten Marathon statt. Die drei Erstplatzierten erhalten ihr Ticket für die Spiele.

Boston-Marathon 2026: Sieg und neuer Streckenrekord für John Korir in 2:01:52, Sharon Lokedi verteidigt ihren Titel und alle Ergebnisse der 130. Ausgabe.© Boston Athletic Association

Der Boston-Marathon 2026 wird als außergewöhnliche Ausgabe in Erinnerung bleiben. Der Streckenrekord bei den Männern bestätigt John Korirs Platz unter den besten Marathonläufern der Geschichte. Dazu kommt ein historischer Doppelsieg mit zwei Titelverteidigern. Die Leistungsdichte war beeindruckend: 13 Männer blieben unter 2:06 Stunden, zehn Frauen unter 2:23. Doch jenseits aller Zahlen bleibt vor allem dieses eine Gefühl. Diese Emotion. Boston ist ein Rennen, das man sich verdienen muss. Ein Rennen, das man erst mit der Zeit versteht. Und eines, das man vom ersten Meilenstein in Hopkinton bis zum Ziel auf der Boylston Street mit jeder Faser erlebt. Auch in diesem Jahr hat Boston uns daran erinnert, warum es der Marathon der Marathons bleibt.

Alle Ergebnisse des Boston-Marathons 2026


Boston enttäuscht nie. Doch manche Jahre bleiben stärker im Gedächtnis als andere. Die 130. Ausgabe des Boston-Marathons bestätigte die Magie zwischen Hopkinton und Boylston Street. Die Bedingungen waren perfekt für ein großes Rennen: wolkenloser Himmel, kühle Temperaturen um 5 °C, leichter Rückenwind und ein Weltklassefeld. Wie an jedem Patriots’ Day säumten Tausende Zuschauer die Strecke und erlebten die totale Dominanz von John Korir und Sharon Lokedi. Die beiden kenianischen Titelverteidiger setzten sich eindrucksvoll durch: Lokedi in 2:18:51 Stunden und vor allem Korir in 2:01:52. Korir pulverisierte den 15 Jahre alten Streckenrekord. Eine überragende Leistung auf einem Kurs, der nichts verzeiht. Der Rückblick auf einen Tag, der in die Marathon-Geschichte eingehen wird.


Ein spektakuläres Männerrennen mit einem überragenden John Korir

Das Rennen beginnt schnell. Sehr schnell sogar. Das abfallende Streckenprofil nutzen mehrere Außenseiter wie Rory Linkletter, Zouhair Talbi und Hendrik Pfeiffer und setzen sich an die Spitze. Dahinter beobachten die Favoriten das Geschehen. John Korir und Benson Kipruto halten sich in einer rund 20 Läufer starken Spitzengruppe schadlos. Eine klassische Boston-Strategie. Hier gewinnt man das Rennen nicht auf den ersten 15 Kilometern.

Die Passage am Wellesley College durch den legendären Scream Tunnel sorgt für den ersten Gänsehautmoment. Das Publikum peitscht die Läufer an, und die antworten auf ihre Weise. Sogar der US-Amerikaner Clayton Young löst sich kurz aus der Gruppe, um mit den Zuschauern abzuklatschen. Doch das eigentliche Rennen beginnt erst später.

Rund um die Halbmarathonmarke nimmt das Tempo weiter zu. Lemi Berhanu verschärft. Als Erster passiert er die Halbmarathonmarke, in 1:01:43 Stunden. Doch diesmal reagiert John Korir sofort und lässt ihn nicht davonziehen. In dieser Rennphase gilt es, den Kontakt zur Spitzengruppe zu halten. Auch Milkesa Mengesha mischt sich ein und versucht es allein. Über mehrere Kilometer entwickelt sich ein echtes Jo-Jo-Rennen mit Angriffen aus allen Richtungen. Genau das ist der Boston-Marathon.

Dann kommt Newton. Und mit Newton setzt sich die natürliche Selektion durch. Die Anstiege reihen sich aneinander, die Läufer werden langsamer. Kurz vor Heartbreak Hill entscheidet John Korir, dass jetzt der Moment gekommen ist. Eine klare, saubere, beinahe eiskalte Tempoverschärfung. Er schließt zu Milkesa Mengesha auf, lässt ihn stehen und blickt nicht mehr zurück.

Dahinter versuchen Alphonce Simbu und Benson Kipruto, den Schaden zu begrenzen. Doch der Abstand wächst: 30 Sekunden, dann noch mehr. Korir fliegt an der Spitze. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Schritt ist flüssig, sein Gesicht unbewegt und konzentriert. Mit beeindruckender Leichtigkeit läuft er hinunter nach Boston. Mehrfach dreht er sich um, denn er weiß, dass seine beiden Verfolger einen starken Endspurt haben. Doch heute ist er zu stark. Schließlich erreicht er die Boylston Street, ganz allein an der Spitze.

Mit einem breiten Lächeln und unter gewaltigem Jubel überquert John Korir die Ziellinie in 2:01:52 Stunden. 15 Jahre nach Geoffrey Mutais Bestmarke stellt er einen neuen Streckenrekord auf. Eine grandiose Leistung, die alle Marathonfans auf einem unerbittlichen Kurs ins Träumen versetzt. Korir bestätigt damit, dass er derzeit zu den besten Marathonläufern der Welt gehört.

Dahinter fällt die Entscheidung denkbar knapp. Alphonce Simbu setzt sich im Sprint vor Benson Kipruto auf Platz zwei durch. Das Podium ist in diesem Jahr außergewöhnlich: Alle drei Athleten bleiben unter dem alten Streckenrekord. Boston hatte auf dem Papier eines der stärksten Elitefelder der Geschichte versprochen, und die Erwartungen wurden erfüllt. Das Rennen war von Anfang bis Ende spektakulär, mit Angriffen auf der gesamten Strecke und einem furiosen Finale für John Korir.

Ich wusste, dass ich meinen Titel verteidigen würde, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell laufen kann. Viele Jahre lang hatte ich den Streckenrekord im Kopf (Anm. d. Red.: 2:03:02 Stunden, aufgestellt von Geoffrey Mutai im Jahr 2011). Ich danke Gott, dass ich ihn heute endlich erreicht habe.

John Korir

Männerwertung
1. John Korir (Kenia) 2:01:52 (neuer Streckenrekord)
2. Alphonce Simbu (Tansania) 2:02:47
3. Benson Kipruto (Kenia) 2:02:50
4. Hailemariam Kiros (Äthiopien) 2:03:42
5. Zouhair Talbi (USA) 2:03:45
6. Tebello Ramakongoana (Lesotho) 2:04:18
7. Charles Hicks (USA) 2:04:35
8. Richard Ringer (Deutschland) 2:04:47
9. Alex Masai (Kenia) 2:05:32
10. Milkesa Mengesha (Äthiopien) 2:05:35
11. Clayton Young (USA) 2:05:41
12. Ryan Ford (USA) 2:05:46
13. Joe Klecker (USA) 2:05:56
14. Rory Linkletter (Kanada) 2:06:04
15. Yemane Haileselassie (Eritrea) 2:06:06
16. Nicholas Kipkorir (Kenia) 2:06:07

Sharon Lokedi verteidigt ihren Titel souverän

Zehn Minuten nach den Männern setzt sich auch das Frauenfeld in Bewegung. Das Teilnehmerfeld ist dicht besetzt und international, 18 Nationen sind vertreten. Der Rennbeginn fällt ruhiger aus als bei den Männern. Schnell bildet sich eine kompakte Gruppe von rund 20 Läuferinnen. Die US-Amerikanerinnen Dakotah Popehn und Kodi Kleven gestalten die ersten Kilometer, ohne jedoch eine echte Lücke zu reißen.

Bei einer Halbmarathonzeit von 1:11:02 Stunden ist noch alles offen. Dann beginnt sich das Feld allmählich auszudünnen. Annie Frisbie versucht es allein. Dahinter bleiben die Favoritinnen geduldig. Unter ihnen: eine unauffällige, aber gut platzierte Läuferin namens Sharon Lokedi.

Wie bei den Männern fällt die Entscheidung in den Newton Hills. Kurz vor Heartbreak Hill zerfällt die Gruppe. Übrig bleiben nur noch wenige Anwärterinnen: Sharon Lokedi, Irine Cheptai und Loice Chemnung.

Dann kommt der entscheidende Moment. Sharon Lokedi beschleunigt. Ein klarer, entschlossener Angriff. Irine Cheptai versucht zu folgen, kann das Tempo aber nicht halten. Lokedi baut den Vorsprung Meter für Meter, Schritt für Schritt aus. Im Gefälle hinunter nach Boston ist sie beeindruckend: kraftvoll, locker, uneinholbar. Zum dritten Mal läuft sie in Boston. Sie kennt das Rennen in- und auswendig. Im vergangenen Jahr stellte sie hier nach einem denkwürdigen Duell mit ihrer großen Rivalin Hellen Obiri sogar den Streckenrekord in 2:17:22 Stunden auf. Obiri ist diesmal nicht am Start, sie hat sich für London entschieden. Das Tempo ist dadurch etwas langsamer, was Lokedi eindeutig in die Karten spielt.

Mit einem Lächeln erreicht sie die Boylston Street. Ein Lächeln nach einem Rennen, das sie vollkommen kontrolliert hat. Sharon Lokedi gewinnt in 2:18:51 Stunden und schafft damit einen historischen Titel-Hattrick in Serie. Loice Chemnung wird Zweite, Mary Ngugi-Cooper macht das rein kenianische Podium komplett.

Bemerkenswert ist auch die starke Leistung der US-Amerikanerin Jess McClain, die in Boston die beste US-Leistung der Geschichte erzielt.

Frauenwertung
1. Sharon Lokedi (Kenia) 2:18:51
2. Loice Chemnung (Kenia) 2:19:35
3. Mary Ngugi-Cooper (Kenia) 2:20:07
4. Mercy Chelangat (Kenia) 2:20:30
5. Jess McClain (USA) 2:20:49
6. Irine Cheptai (Kenia) 2:20:54
7. Workenesh Edesa (Äthiopien) 2:21:52
8. Annie Frisbie (USA) 2:22:00
9. Emily Sisson (USA) 2:22:39
10. Carrie Ellwood (USA) 2:22:53
11. Bedatu Hirpa (Äthiopien) 2:23:58
12. Dakotah Popehn (USA) 2:24:04
13. Elena Hayday (USA) 2:24:45
14. Kodi Kleven (USA) 2:24:48
15. Amanda Vestri (USA) 2:24:49
16. Isobel Batt-Doyle (Australien) 2:25:06

Die US-Amerikaner liefern ab

Und dann muss über die US-Amerikaner gesprochen werden. Denn in Boston wartet man natürlich auf sie. Es ist ihr Monument, ihr prestigeträchtigster Marathon, ihr traditionsreichster Termin, das Rennen, bei dem man dabei sein muss, wenn man auf der Weltbühne eine Rolle spielen will. In diesem Jahr enttäuschten sie bei einem der stärksten Felder der Renngeschichte nicht. Bei den Männern belegte Zouhair Talbi in 2:03:45 Stunden Platz fünf und erzielte damit die beste Zeit eines US-Amerikaners überhaupt. Direkt dahinter folgte Charles Hicks auf Rang sieben in 2:04:35, ebenfalls schneller als die bisherige US-Bestmarke. Und das mit gerade einmal 24 Jahren und bei seinem zweiten Marathon überhaupt. Einfach außergewöhnlich. Doch damit nicht genug. Dahinter ist die Leistungsdichte enorm: Clayton Young in 2:05:41, Ryan Ford in 2:05:46 und Joe Klecker in 2:05:56. Damit blieben fünf US-Amerikaner bei einem Marathon wie Boston unter 2:06 Stunden. Das gab es noch nie.

Bei den Frauen lief Jess McClain ein herausragendes Rennen. Als Fünfte in 2:20:49 Stunden war sie die beste US-Amerikanerin des Tages und setzte eine neue US-Bestmarke in Boston, vor Annie Frisbie (2:22:00), Emily Sisson (2:22:39) und Carrie Ellwood (2:22:53), die allesamt in den Top 10 landeten. Boston zeigt in diesem Jahr, dass der US-Marathon nicht mehr nur von einigen wenigen Aushängeschildern wie Conner Mantz oder Clayton Young getragen wird. Dahinter wächst eine breite Spitze heran. Die Leistungsdichte nimmt von Jahr zu Jahr zu. Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles auf heimischem Boden verspricht dieser Konkurrenzkampf ein hochspannendes Rennen um die drei Startplätze. Die US-Ausscheidung findet bei einem von USA Track & Field veranstalteten Marathon statt. Die drei Erstplatzierten erhalten ihr Ticket für die Spiele.

Boston-Marathon 2026: Sieg und neuer Streckenrekord für John Korir in 2:01:52, Sharon Lokedi verteidigt ihren Titel und alle Ergebnisse der 130. Ausgabe.© Boston Athletic Association

Der Boston-Marathon 2026 wird als außergewöhnliche Ausgabe in Erinnerung bleiben. Der Streckenrekord bei den Männern bestätigt John Korirs Platz unter den besten Marathonläufern der Geschichte. Dazu kommt ein historischer Doppelsieg mit zwei Titelverteidigern. Die Leistungsdichte war beeindruckend: 13 Männer blieben unter 2:06 Stunden, zehn Frauen unter 2:23. Doch jenseits aller Zahlen bleibt vor allem dieses eine Gefühl. Diese Emotion. Boston ist ein Rennen, das man sich verdienen muss. Ein Rennen, das man erst mit der Zeit versteht. Und eines, das man vom ersten Meilenstein in Hopkinton bis zum Ziel auf der Boylston Street mit jeder Faser erlebt. Auch in diesem Jahr hat Boston uns daran erinnert, warum es der Marathon der Marathons bleibt.

Alle Ergebnisse des Boston-Marathons 2026