Doppelter Äthiopien-Sieg beim Tokyo Marathon 2025 und ein spektakuläres Männer-Finish
Auf dem Asphalt der japanischen Hauptstadt glühten an diesem Sonntag die Sohlen von 36.202 Finishern. Strahlender Sonnenschein sorgte nicht für ideale Bedingungen, doch Tadese Takele und Sutume Asefa Kebede aus Äthiopien triumphierten trotzdem über die Marathondistanz. Unter den Augen eines ausgelassenen Publikums, begleitet von traditionellen Trommeln und lautstarken Anfeuerungen, blieb der Tokyo Marathon sich treu: schnell, dicht gedrängt und getragen von jener japanischen Begeisterung, in der sportliche Höchstleistung beinahe zum Zeremoniell wird.
Äthiopien ganz oben auf der Bühne
Tokio vibrierte im Rhythmus der äthiopischen Schritte. Wie im Vorjahr dominierte Sutume Asefa Kebede das Rennen mit beeindruckender Souveränität. Sie schlug von Beginn an ein horrendes Tempo an und passierte die Halbmarathonmarke nach 1:06:20 Stunden. Auf der zweiten Hälfte nahm sie zwar etwas Tempo heraus, siegte aber dennoch in 2:16:31 Stunden und blieb damit nur wenige Sekunden hinter ihrer persönlichen Bestzeit. Dahinter komplettierten die Kenianerin Winfridah Moraa Moseti (2:16:56) und die Äthiopierin Hawi Feysa (2:17:00) das Podium. Kebede wurde von einer rund 20-köpfigen Spitzengruppe getragen, aber auch von der Energie eines ambitionierten Amateurfeldes. So entstand eine Verbindung zwischen Breitensport und Weltelite. Yuka Ando war in 2:23:37 Stunden die erste japanische Athletin im Ziel.
Taktikrennen bei den Männern
Marathon bedeutet Ausdauer. In Tokio geht es aber oft ebenso um das richtige Timing und die passende Strategie. Tadese Takele hatte das verstanden. Gut geschützt im Spitzenfeld ließ der Äthiopier den Marathon seine natürliche Auslese vollziehen und beobachtete, wie die Führungsgruppe Kilometer für Kilometer schrumpfte. Ein Geduldsspiel, bevor Takele seine große Show eröffnete. Bei Kilometer 39 zündete er eine donnernde, progressive Attacke und sprengte seine Begleiter mit einem kurzen Abschnitt in 2:51 min/km. Das Ergebnis: sein erster Sieg bei einem Major und eine Weltklassezeit von 2:03:23 Stunden. Sein Landsmann Deresa Geleta (2:03:51) und der Kenianer Vincent Kipkemoi Ngetich (2:04:00) lagen nicht weit zurück. Doch Tadese Takele war an diesem Sonntag nicht zu bezwingen. Einen schwierigen Tag erwischte dagegen der Sieger von 2024, Benson Kipruto, der bereits ab Kilometer 28 den Anschluss verlor. Er wurde in 2:05:46 Stunden Sechster.
Derweil sammelt Joshua Cheptegei, das ugandische Ausnahmetalent über 5.000 und 10.000 Meter, weiter Erfahrungen auf der Königsdistanz. Als Neunter in 2:05:59 Stunden ging er zunächst vorsichtig an und passierte die Halbmarathonmarke nach 1:02:09 Stunden, bevor er auf den letzten Kilometern etwas Boden verlor. Er hatte sich mehr vorgenommen, verbesserte seine Bestzeit über die Distanz aber um drei Minuten. Ein ermutigendes Ergebnis für seine weiteren Schritte auf der Langstrecke.
Bei den Lokalmatadoren erkämpfte sich der Japaner Tsubasa Ichiyama mit 2:06:00 Stunden einen starken zehnten Platz.
Paula Radcliffe, unvergessen
Manche Legenden bleiben unvergessen. Paula Radcliffe, ehemalige britische Langstreckenläuferin und frühere Weltrekordhalterin, kehrte zehn Jahre nach ihrem Rücktritt auf die Marathonstrecke zurück. Mit 51 Jahren ging es ihr nicht um eine herausragende Zeit, sondern um ein Symbol: Für die Six-Star-Finisher-Medaille fehlt ihr nur noch Boston. Das Ergebnis? 2:57:22 Stunden in Tokio, eine schöne Verbeugung vor ihrer eigenen Legende.
Für eine weitere Überraschung sorgte die Teilnahme von Harry Styles. Der Star der früheren Poprock-Band One Direction trat beim Tokyo Marathon an und erzielte eine starke Zeit von 3:24 Stunden. Seine Fans und die Laufcommunity feierten die Leistung. Sie zeigt, dass Laufen auch über den Kreis der Spezialisten hinaus begeistern kann.
Dorian Louvet setzt sein verrücktes Projekt fort
Tokio war die erste Station seines Projekts „Miles of Discovery“: in einem Jahr alle sieben Majors zu laufen. Auftrag erfüllt für Dorian Louvet, den Running-Influencer, der seine persönliche Bestzeit regelrecht pulverisierte (2:18:56 Stunden) und als bester Franzose ins Ziel kam. Eine Leistung, die viel über seine Disziplin und seine mentale Stärke verrät. Die Dokumentation seiner Japan-Reise gibt es auf seinem YouTube-Kanal. Nächste Station: der legendäre Boston Marathon am 21. April.
Tokio, Tempel des Laufsports
Der Tokyo Marathon ist nicht einfach nur ein Rennen. Er bündelt die japanische Laufkultur, in der Disziplin und Leidenschaft auf eine bis ins Detail durchgetaktete Organisation treffen. Er zeigt auch, dass der Marathon in Japan weit mehr als Sport ist: ein Ausdruck von Einsatzbereitschaft, ein Aufruf zu Widerstandskraft und Disziplin.
Die größten Marathonchampions sind durch Tokio gekommen, und die Geschichte des jüngsten Rennens im Abbott World Marathon Majors Circuit beginnt gerade erst.