Hamburg-Marathon 2026: Othmane El Goumri und Brillian Jepkorir Kipkoech triumphieren
Auf dem schnellen Asphalt des Hamburg-Marathons gaben Othmane El Goumri (2:04:24) und Brillian Jepkorir Kipkoech (2:17:05) den Ton an und gerieten nie ins Wanken. Zwei von Anfang bis Ende kontrollierte Rennen, zwei starke Auftritte bei einer Auflage, in der die Leistungsdichte erneut beeindruckte. Dahinter wurde um jede Sekunde gekämpft, in einer Stadt, die keine halben Sachen zulässt.
Während sich in London die Magie entfaltete, nahm der Hamburg-Marathon seinen gewohnten Verlauf. Von den ersten Kilometern an hohes Tempo, eine kompakte Spitzengruppe, dann eine allmähliche Selektion, bis sich die Stärksten absetzten. Auch in diesem Jahr machte das Rennen keine Ausnahme, doch das angeschlagene Tempo verwandelte es schnell in einen Härtetest. Othmane El Goumri las das Rennen perfekt. Stets gut positioniert, nie über dem Limit, ließ er das Tempo die Spreu vom Weizen trennen, bevor er endgültig die Kontrolle übernahm.
Marokkos erster Sieg über die 42,195 Kilometer in Hamburg beruhte auf einer klinisch kontrollierten Renneinteilung. 2:04:24 standen am Ende zu Buche, die drittschnellste Zeit in der Geschichte des Rennens. „Mein Ziel war der Sieg. Ich wäre gern etwas schneller gelaufen, bin aber mit dem marokkanischen Rekord zufrieden“, sagte El Goumri nach zwei Stunden Wettkampf, in denen er gerade einen neuen marokkanischen Rekord aufgestellt hatte. Mit 33 Jahren verbesserte er damit seine bisherige nationale Bestmarke von 2:05:12, die er vor drei Jahren in Barcelona aufgestellt hatte.
Dahinter hielt Samuel Fitwi so lange wie möglich den Kontakt. Der Deutsche musste erst auf den letzten Kilometern abreißen lassen und überquerte die Ziellinie nach 2:04:45 mit dem Gefühl, alles gegeben zu haben. Eine Leistung, die seinen Aufstieg in eine neue Dimension bestätigt. Das Podium komplettierte der Kenianer Kennedy Kimutai in 2:04:56, in einem Finale, in dem jede Sekunde zählte. Dazu der bleibende Eindruck eines kompakten, fast erdrückenden Feldes: Zwischen Platz drei und zehn lag kaum mehr als eine Minute. Hunde Lechisa, Taresa Tolosa, Mohamed Reda El Aaraby, Ablelom Kesete … Namen reihten sich aneinander, allesamt mit schwindelerregendem Tempo. Auf einem solchen Kurs kann man nichts verstecken.
Brillian Jepkorir Kipkoech läuft souverän zum Sieg, während Manon Coste in den Top 10 landet
Bei den Frauen übernahm die Kenianerin Brillian Jepkorir Kipkoech schnell die Kontrolle. Eine klare Machtdemonstration, ohne spektakulären Vorstoß, aber mit einer Konstanz, die ihre Verfolgerinnen zermürbte. Im Ziel standen 2:17:05, ein Streckenrekord, und ein Sieg, an dem es nichts zu rütteln gab. Ihre Landsfrau Rebbeca Tanui versuchte zwar, in ihrem Rhythmus zu bleiben, doch der Abstand wuchs allmählich. 2:18:25 im Ziel, verbunden mit dem Gefühl, ständig hinterhergelaufen zu sein. Dahinter holte sich die Äthiopierin Kasanesh Ayenew in 2:19:39 den dritten Platz, souverän und konzentriert.
Der weitere Zieleinlauf bestätigte die kenianische und äthiopische Dominanz, ergänzt durch einige europäische Ausrufezeichen. Die Deutsche Tabea Themann schaffte es dank eines klug eingeteilten Rennens und eines Publikums, das hinter ihr stand, in die Top 10. Aus französischer Sicht erkämpfte sich Manon Coste in 2:33:02 den zehnten Platz. Eine saubere Leistung ohne Überpacen in einem hochklassigen Rennen, in dem jeder Rang hart verdient war.
Der Halbmarathon mit einer anderen Dynamik, aber demselben Einsatz
Der Halbmarathon bot ein anderes Bild: weniger kompakt, stärker auseinandergezogen, aber nicht weniger umkämpft. Bei den Männern gab der Schweizer Jonas Gubeli das Tempo vor und siegte in 1:08:09. Ein kontrolliertes Rennen, in dem sein Vorsprung nach und nach anwuchs. Dahinter komplettierten die Deutschen Job Daniel Damo (1:10:15) und Jakob Heess (1:13:12) das Podium, ohne noch einmal heranzukommen.
Das Männerrennen zeichnete sich durch eine starke deutsche Präsenz in den Top 10 aus, wobei sich die Abstände früh bildeten. Weniger Dichte als im Marathon, aber ein insgesamt starkes Niveau. Bei den Frauen setzte sich die Lokalmatadorin Viktoria Semlinger nach einem gut aufgebauten Rennen in 1:19:39 durch. Ihre Landsfrauen Klara Popp (1:19:54) und Elina Gradl (1:20:39) blieben in Schlagdistanz, konnten die Reihenfolge aber nicht mehr drehen. Dieser Halbmarathon erzählte eine andere Geschichte: unterschiedliche Läufertypen, größere Abstände und eine taktischere als rein tempobestimmte Renngestaltung.
Die Veranstalter zogen mit einem Lächeln Bilanz. Mit 46.000 Meldungen über alle Distanzen, darunter 20.000 für den Marathon, hat Hamburg einen neuen Maßstab gesetzt. Und auf der Königsdistanz löste sich die Leistungsdichte unterwegs nicht auf. Rund 16.000 Läuferinnen und Läufer gingen an den Start, knapp 15.500 erreichten das Ziel. Eine Treue zu diesem Rennen, die fast genauso beeindruckte wie die Zeiten.