Valencia-Marathon 2024: Sabastian Sawe feiert mit 2:02:05 Stunden einen Traumeinstand
35.000 Läufer gingen am Sonntag, dem 1. Dezember, beim 44. Valencia-Marathon an den Start. Doch in Erinnerung bleibt vor allem der Name des Kenianers Sabastian Sawe. Der amtierende Halbmarathon-Weltmeister hatte zuvor noch keinen Marathon bestritten und gewann bei seinem Debüt in 2:02:05 Stunden mit der fünftschnellsten Zeit der Geschichte. Ein Rückblick auf ein mitreißendes Rennen voller Wendungen.
2:02:05 Stunden für einen triumphalen Sieg
Nichts deutete darauf hin, dass der amtierende Halbmarathon-Weltmeister (Riga 2023, Rekord von 58:02 Minuten) beim wichtigsten Rennen der „Laufstadt“ ganz oben auf dem Podest landen würde. Bei seinem ersten Auftritt über die Marathondistanz setzte sich Sabastian Sawe trotz der Konkurrenz durch den Sieger von 2023, Sisay Lemma, und die Lauflegende Kenenisa Bekele durch.
Bei Kilometer 25 waren noch acht Läufer im Rennen um den Sieg, doch drei Namen bildeten die Spitze: die Kenianer Sabastian Sawe und Daniel Mateiko sowie der Äthiopier Deresa Geleta Ulfata. Bei Kilometer 30 setzte Mateiko als Erster eine Attacke, dicht gefolgt von Deresa Geleta. Der Äthiopier musste bald ebenfalls abreißen lassen, bevor Sabastian Sawe ihn einholte und mit seiner entscheidenden Attacke davonzog. Der 28-jährige Langstreckler blieb bis ins Ziel allein an der Spitze und setzte mit 2:02:05 Stunden die Jahresweltbestzeit im Marathon. Damit unterbot er die 2:02:16 seines Landsmanns Benson Kipruto, gelaufen am 3. März in Tokio.
Sabastian Sawe ist damit der fünftschnellste Marathonläufer aller Zeiten. Vor ihm liegen Kelvin Kiptum (2:00:35), Eliud Kipchoge (2:01:09 im Jahr 2022), Kenenisa Bekele (2:01:41 im Jahr 2019, in Valencia bei Kilometer 30 ausgestiegen) und Sisay Lemma (2:01:48 in Valencia 2023, am Sonntag Zehnter in 2:04:59).
Abderrazak Charik und Emmanuel Roudolff-Levisse unter 2:08 Stunden
Weder der Weltrekord noch der Streckenrekord fielen am 1. Dezember, dafür wurden elf Landesrekorde aufgestellt. Einer davon ging auf das Konto des Schweizers Tadesse Abraham. Der 42-Jährige lief in seinem letzten Marathon 2:04:40 Stunden und wurde Vierter. Bei den Spaniern überquerte Ibrahim Chakir als Erster die Ziellinie (2:07:32), dicht gefolgt von Daniel Mateo in 2:08:57 und Andreu Blanes. Der Läufer aus Valencia kam nach 2:09:18 Stunden ins Ziel und stellte damit einen neuen Marathonrekord der Valencianischen Gemeinschaft auf.
Bei den französischen Läufern purzelten die persönlichen Bestzeiten. Abderrazak Charik und Emmanuel Roudolff-Levisse pulverisierten ihre Zeiten aus dem Vorjahr. Charik verbesserte sich von 2:08:35 auf 2:07:20, Roudolff-Levisse von 2:09:36 auf 2:07:52. Damit waren sie die einzigen beiden Franzosen unter 2:08 Stunden. Jason Pointeau, Frankreichs Dritter des Tages, verpasste mit 2:10:35 die 2:10-Stunden-Marke nur knapp.
Starke Zeiten bei den Frauen
Bei den Frauen setzte sich Mergetu Alemu in 2:16:49 Stunden durch. Bereits zur Halbzeit waren nur noch vier Läuferinnen in der Spitzengruppe. Bei Kilometer 30 zog die Äthiopierin das Tempo an und schüttelte ihre Konkurrentinnen ab. Nach einem furiosen Beginn auf Kurs 2:14:58 konnte sie das Tempo trotz der bis zum Ende eingesetzten Tempomacher nicht halten. Ihre persönliche Bestzeit verpasste sie nur knapp. Den zweiten Platz belegte die Uganderin Stella Chesang in 2:18:26, elf Sekunden vor Tiruye Mesfin, die Dritte wurde. Damit blieben beim Valencia-Marathon 2024 nur diese drei Frauen unter 2:20 Stunden.
Die erste Spanierin, Majida Maayouf, lief wenige Sekunden vor der Ziellinie über sich hinaus und belegte in 2:21:43 den fünften Platz sowie Rang eins unter den Europäerinnen. Den neuen spanischen Rekord verpasste sie um gerade einmal 16 Sekunden.
Sieben Französinnen unter 2:40 Stunden
Beim Valencia-Marathon blieben sieben Französinnen unter 2:40 Stunden. Clémence Calvin feierte nach fast einem Jahr Pause ihr Comeback. Nach einer vierjährigen Sperre, weil sie sich einer Dopingkontrolle entzogen hatte, sicherte sie sich in 2:27:30 den inoffiziellen Titel der besten Französin. Zweite wurde Salomé Brun (2:30:33). Sie pulverisierte ihre Bestzeit und verpasste mit 33 Sekunden den Sprung unter 2:30 nur knapp. Ebenfalls zufrieden durften Inès Hamoudi (2:31:14), Mathilde Sénéchal (2:32:42), Elisa Morin (2:36:54), Magali Jaunet (2:38:31) und Jeanne Garreau (2:39:33) sein.
Der Valencia-Marathon legte in diesem Jahr beeindruckende Zahlen vor und bestätigte damit, wie schnell die Strecke ist. 18 Prozent der Läufer überquerten die Ziellinie unter drei Stunden. Dieser Anteil liegt deutlich über dem des Berlin-Marathons (7 Prozent).
Eine Ausgabe im Zeichen der Emotionen
Die 44. Ausgabe des Valencia-Marathons hatte eine andere Atmosphäre als in den Vorjahren. Vor dem Start erklang die Hymne der Valencianischen Gemeinschaft. Mit einer Schweigeminute wurde der Opfer und Betroffenen gedacht. Die Stadt war am 29. Oktober von schweren Überschwemmungen getroffen worden. Der Lauf war deshalb auch eine Möglichkeit, die Betroffenen zu unterstützen.
Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung von 67 Millionen Euro war es entscheidend, die Veranstaltung stattfinden zu lassen, um die lokale Wirtschaft zu stützen und den von der Katastrophe betroffenen Menschen zu helfen. Gleichzeitig verpflichtete sich der Veranstalter, pro Finisher drei Euro an die Valencianische Gemeinschaft zu spenden, und rief zusätzlich zu Spenden für entsprechende Kampagnen auf. So kamen 189.000 Euro zusammen, eine gewaltige Summe, die den Valencianern beim Wiederaufbau zugutekommen soll.