Betrugsrekord beim Mexico-Marathon 2023: 11.000 Teilnehmer betroffen
Am 27. August 2023, zum 40. Jubiläum des Mexico-Marathons, ereignete sich einer der größten Skandale in der Sportwelt. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer erreichte das Ziel, ohne an den im Abstand von jeweils 5 km eingerichteten Kontrollstellen registriert worden zu sein. Der internationale Marathon, der von World Athletics mit dem Label „Gold“ ausgezeichnet wurde, erlebte damit erneut unsportliches Verhalten seiner Teilnehmer.
Eine zweite Austragung im Zeichen des Betrugs
Bereits 2017 war der mexikanische Lauf von einer Welle disqualifizierter Läufer getroffen worden. Rund 5.806 Teilnehmer hatten damals betrogen. Von allen Finishern hatten 36 % mindestens eine Kontrollstelle ausgelassen, 23 % sogar mindestens zwei. Sechs Jahre später wiederholt sich die Geschichte.
Der Mexico-Marathon 2023 stellte damit einen traurigen Rekord auf. Der Vorfall zeigt, wie schwierig es ist, bei derart populären Veranstaltungen faire und gleiche Wettkampfbedingungen zu gewährleisten. Bei mehr als 30.000 Meldungen müssen die Organisatoren komplexe logistische Anforderungen mit der Einhaltung internationaler Standards in Einklang bringen und dafür sorgen, dass am Wettkampftag alles reibungslos funktioniert. Doch trägt möglicherweise auch die Organisation eine Mitschuld an den wiederholten Betrugsfällen?
Versagen der Zeitmesschips?
Ein Fehler bei der Erfassung oder im Zeitmesssystem ist angesichts dieser hohen Zahl an Läufern nicht auszuschließen. Kaum vorstellbar ist jedoch, dass fast ein Drittel der Teilnehmer abgebogen sein soll, um mit der U-Bahn näher an den Nationalpalast am Zócalo zu gelangen.
Unter den 11.000 Sanktionierten beriefen sich einige auf eine Fehlfunktion des Zeitmesschips. Dieser habe sie entgegen dem vorgesehenen Ablauf nicht alle fünf Kilometer erfasst. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus. Auf der legendären Strecke der Hauptstadt vom Estadio Olímpico Universitario der UNAM bis zum Zócalo sollen die 11.000 Teilnehmer öffentliche Verkehrsmittel oder andere Fortbewegungsmittel genutzt haben, um sich einige Kilometer zu ersparen.
Es wurde Einspruch eingelegt. Den betroffenen Läufern wurde die Medaille aberkannt und ihre Marathonzeit gestrichen. Bislang wurden keine Maßnahmen eingeführt, die Betrug bei solchen Veranstaltungen in naher Zukunft verhindern könnten. Dieser zweite Betrugsskandal dürfte dem Ruf des Mexico-Marathons dennoch nachhaltig schaden. Eigentlich versteht er sich als Feier des Sports und der Leistung, wird nun aber erneut von Verhaltensweisen, die den Werten des Sports widersprechen, eingeholt.
Die Ausgabe 2024 blieb von Skandalen verschont. Der Mexico-Marathon ist damit jedoch auch in den kommenden Jahren nicht vor einem erneuten Betrugsfall gefeit.