Marathon jonglierend laufen? Belgiens Benjamin Balbeur stellt unglaublichen Weltrekord auf
Einen Marathon zu laufen, ist schon eine Herausforderung. 42,195 Kilometer lang mit drei Bällen zu jonglieren, wirkt beinahe unrealistisch. Das Ganze dann auch noch in einem Tempo von 3:59 min/km zu schaffen, ist eine außergewöhnliche Leistung. Der 36-jährige Belgier Benjamin Balbeur vollbrachte dieses kuriose Kunststück beim Marathon de Namur 2025. Das Ergebnis: ein neuer Weltrekord in 2:47:52 Stunden. Seine Bälle ließ er dabei kein einziges Mal fallen, oder zumindest fast nicht.
Wenn Laufen und Jonglieren zusammenfinden
Für Benjamin Balbeur, einen aus Bouraing stammenden belgischen Läufer, sind Laufen und Jonglieren weit mehr als bloße Hobbys: Er verbindet beide Disziplinen mit großer Leidenschaft. „Ich laufe gern, ich jongliere gern. Ich habe gesehen, dass es einen Weltrekord für einen jonglierenden Marathon gibt. Die zu unterbietende Zeit lag bei 2:50 Stunden, genau meiner persönlichen Bestzeit über den Marathon. Also habe ich es versucht“, erzählte er nach dem Rennen.
Und der Versuch gelang. Balbeur blieb nicht nur unter der magischen Marke von 2:50 Stunden, sondern verbesserte den Rekord gleich um mehr als zwei Minuten. Er überquerte die Ziellinie nach 2:47:52 Stunden, was einem Durchschnittstempo von 3:59 min/km entspricht. Für einen Hobbyläufer ist das eine beeindruckende Leistung. Für einen jonglierenden Marathonläufer ist sie schlicht verblüffend.
Die Bälle (fast) ständig in der Luft
Die Disziplin heißt „Joggling“ und setzt sich aus Jogging und Juggling zusammen. Die Regel ist strikt: Alle drei Bälle müssen während des gesamten Laufs in Bewegung bleiben. Nach jedem Fall muss der Läufer anhalten, das Jonglieren wieder aufnehmen und anschließend weiterlaufen. In Namur musste sich Benjamin dieser Regel sechzehnmal beugen, sechsmal davon auf den letzten drei Kilometern. Der Kurs war allerdings auch alles andere als flach: 299 Höhenmeter bergauf und 293 Höhenmeter bergab.
„Das Rennen begann wie im Flug, bis Kilometer 25 lief alles gut. Danach habe ich mein Gefühl verloren, die Beine wurden schwer. Und mit der Müdigkeit wird es schwierig, sich auf die Bewegungen zu konzentrieren“, erklärt er. 1,5 Kilometer vor dem Ziel entgeht er sogar nur knapp einem Sturz. Doch er hält durch. Denn neben der Zeit gab es noch ein weiteres Ziel: als Finisher ins Ziel zu kommen.
Ein Rekord, vor allem aber ein menschliches Abenteuer
Dieser Marathon wird Benjamin nicht nur wegen der gemeisterten Herausforderung im Gedächtnis bleiben, sondern auch wegen der Begeisterung, die ihn während dieses Abenteuers begleitet hat. „Mehr als 50 Freunde und Angehörige haben mich entlang der Strecke angefeuert. Die Stimmung in der Gruppe hat mich getragen“, erzählt er nach dem Zieleinlauf, noch sichtlich bewegt von seiner Leistung.
Mit seiner Zeit belegt er Rang acht im Gesamtklassement des Marathons. Doch dem Läufer aus Beaurinoise bleibt vor allem das menschliche Abenteuer. Die überraschten Blicke der Zuschauer, die amüsierten Anfeuerungsrufe der Kinder, ausgestreckte Hände und Jubel bei jedem neuen Antritt ... All diese kleinen Momente machen aus einem Marathon mehr als eine einsame sportliche Anstrengung.
Auch wenn der Rekord von Guinness World Records nicht offiziell anerkannt ist, war die Leistung durchaus real. Auf dem Papier hielt der Kanadier Michal Kapral mit 2:50:12 Stunden aus dem Jahr 2014 die bisherige Bestmarke. Benjamin hat die Grenzen des Jogglings nach allen Regeln der Kunst verschoben, und zwar bei einem vermessenen und offiziell gestoppten Rennen.
Für ihn ist diese „offizielle“ Anerkennung allerdings zweitrangig. „Wichtig war die persönliche Herausforderung. Ich habe es schon immer gemocht, abseits ausgetretener Pfade unterwegs zu sein. Ich habe mich im Trailrunning mit Jonglieren versucht und gesehen, dass ich dabei nicht allzu viel Zeit verliere ... Warum also nicht auch einen Marathon?“
Ans Aufhören denkt Benjamin jedenfalls nicht. Sein nächstes Ziel? Ein Triathlon, der diesen Sommer am Moulin de Boiron stattfinden soll. Neue Sportart, neues Spielfeld ... aber dieselbe Lust, über sich hinauszuwachsen.
Die Geschichte von Benjamin Balbeur handelt von einem Läufer der etwas anderen Art. Sie zeigt, dass Laufen auch Raum für Ausdruck, Spiel und Kreativität sein kann. Mit einer Mischung aus sportlicher Disziplin und unkonventioneller Freude hat er gerade ein neues Kapitel in der Geschichte des Laufsports geschrieben. Eines, das zum Schmunzeln bringt und Lust darauf macht, daran zu glauben, dass man manchmal nur den Mut haben muss, um das Unmögliche möglich zu machen. Selbst einen Weltrekord über die Königsdistanz, während man jongliert.