Läufer gegen Roboter: ein völlig neuer Wettkampf beim Halbmarathon von Peking
Roboter laufen einen Halbmarathon? Nein, das ist nicht die Handlung eines durchgedrehten Pixar-Films. Das ist echte Realität und passierte in China beim Yizhuang-Halbmarathon im Südosten von Peking. 21 humanoide Maschinen gingen über mehr als 21 Kilometer gemeinsam mit Tausenden verschwitzten Läuferinnen und Läufern an den Start. Serienweise Stürze, leere Akkus und akrobatische Zieleinläufe inklusive: Das Spektakel war definitiv sehenswert. Die Roboter haben nicht gewonnen, aber sie haben uns ordentlich ins Laufen gebracht … direkt in die Zukunft.
„Run Robot Run“. Wir dachten, wir hätten in der Laufwelt schon alles gesehen: Teilnehmer in Badelatschen, Marathonläufer im Kostüm einer riesigen Banane, Axel Ramponi im Dreiteiler unter 2:50 Stunden … aber nein. China legte noch einen drauf: 1,80 Meter große und 52 Kilo schwere humanoide Roboter sollten einen Halbmarathon laufen. Ja, Roboter. Keine Begleiter auf E-Scootern und auch keine Kameradrohnen. Gelenkige Zweibeiner, die am 19. April die 21,0975 Kilometer des Yizhuang-Halbmarathons im Pekinger Vorstadtgebiet bewältigen wollten. Der Lauf fand in der „E-Town“ statt, einer Technologieentwicklungszone der Hauptstadt. Zum ersten Mal stellte sich ein derartiges Technik-Spektakel einer so langen Distanz.
Aber warum laufen sie überhaupt?
Abgesehen vom Schaufenstereffekt war dieser Roboter-Halbmarathon ein gewaltiger Test. Für die KI-Forschung, für die Fortbewegungstechnologie, für Energiemanagement und dynamisches Gleichgewicht. Kurz gesagt: 21 Kilometer geradeaus zu laufen ist für eine Maschine eine echte Denksportaufgabe. Wenn das gelingt, eröffnen sich allerdings verrückte Anwendungsmöglichkeiten: Assistenzroboter in Katastrophengebieten, intelligente Exoskelette, fortschrittliche urbane Mobilität … Der Lauf ist nur der Vorwand. Aber ein guter, denn fast jeder weiß, wie es sich anfühlt, 21 Kilometer ohne Pause zu laufen.
Auf der einen Seite Roboter, auf der anderen topfitte Menschen
Die Symbolik liegt auf der Hand: 21 Roboter starteten, sechs kamen ins Ziel. Nicht gerade viel. Aber durchaus beachtlich, wenn man bedenkt, dass die meisten zuvor noch nie mehr als ein paar hundert Meter gelaufen waren. Auf der Startliste stand eine kuriose Mischung: unterschiedlich schwere Roboter, die kräftigsten bis zu 88 Kilo schwer, aus allen chinesischen Provinzen. Ein Rennen mit zwei Geschwindigkeiten: der Geschwindigkeit der Akkulaufzeit … und der des Joysticks. Gelaufen wurde auf einer eigenen Strecke, man wollte es schließlich nicht übertreiben, begleitet von menschlichen Operatoren, die bei Stürzen, Bugs, Pannen oder nötigen Akkuwechseln eingreifen konnten.
Auf dem Asphalt zeigte sich ein regelrechter Stilparcours: Manche Roboter bewegten sich, als hätten sie „Marathon Man“ im Speicher, andere schienen ihre Beine gerade erst kennenzulernen. Die meisten trafen ihre Entscheidungen selbst, Berechnung für Berechnung, während andere geduldig auf Befehle aus der Ferne warteten. Einer legte sich schließlich hin, rappelte sich aber stoisch wieder auf, ganz nach dem Motto: „Mir geht’s gut, alles gut.“ Ein anderer, deutlich muskulöser als die Konkurrenz, machte einen ungeplanten Abstecher, um einer Absperrung Hallo zu sagen. Und währenddessen filmten die Menschen das Ganze aus ihrer Spur heraus, halb amüsiert, halb fassungslos. Mal ehrlich: Wer hätte gedacht, dass der Halbmarathon zur Bühne für Roboter-Comedy werden würde?
1:01 Stunden gegen 2:40: Vorteil Mensch
Auf der menschlichen Seite ging es derweil deutlich schneller. Der Kenianer Mutiso Kibet absolvierte den Lauf in 1:01:10 Stunden, während die erste Frau, die Äthiopierin Gelana Dida, nach 1:08:29 Stunden ins Ziel kam. Lichtjahre vor dem besten Roboter des Tages. Diese zweibeinige Maschine war Tiangong Ultra, eine Art chinesische Version von Boston Dynamics. Er bewältigte die 21,1 Kilometer in 2:40 Stunden, inklusive dreier Akkuwechsel, eines Sturzes und einiger manueller Korrekturen. Zur Einordnung: Das ist die Zeit eines gut trainierten Hobbyläufers, liegt aber noch deutlich hinter den Elitezeiten.
Auf einer Strecke zu laufen, mag für einen Menschen wie ein kleiner Schritt wirken. Für einen humanoiden Roboter ist es jedoch ein gewaltiger Sprung.
Tang Jian, der Technologieleiter des Pekinger Innovationszentrums für humanoide Roboter, das den besten Teilnehmer von Grund auf entwickelt hatte, erklärte gegenüber der Presse, er sei „sehr zufrieden“. Dann fuhr er fort: „Wir hatten drei Ziele: den ersten Platz zu gewinnen, den gesamten Halbmarathon mit nur einem Roboter zu absolvieren […] und den Lauf in weniger als drei Stunden zu beenden“, gestand er. „Wir hatten Daten von Prof läufern gesammelt und den Roboter darauf trainiert, seinen Laufstil, seine Schrittfrequenz, Schrittlänge und Körperhaltung anzupassen, um sich so weit wie möglich der eines Sportlers anzunähern.“ Als Liang Liang am vergangenen Donnerstag gegenüber der AFP erklärte: „Auf einer Strecke zu laufen, mag für einen Menschen wie ein kleiner Schritt wirken. Für einen humanoiden Roboter ist es jedoch ein gewaltiger Sprung“, war das mehr als ein guter Spruch. Der stellvertretende Direktor des E-Town-Verwaltungskomitees fand eine wohlgesetzte, beinahe feierliche Formel, die das Ereignis in einen deutlich größeren Zusammenhang stellt als den einer bloßen Sportvorführung. Zum Besten und für den Sport.
Ein kleiner Vergleich zum Schmunzeln, oder zum Fürchten
Läufer | Halbmarathonzeit | Nationalität / Typ |
|---|---|---|
Jacob Kiplimo | 56:42 (Weltrekord) | Uganda / Turbo-Mensch |
Mutiso Kibet | 1:01:10 | Kenia / Sieger 2025 |
Axel Ramponi (im Anzug) | 1:24* (Schätzung) | Frankreich / verkörperte Klasse |
Tiangong Ultra | 2:40 | China / Robocop |
15 verbliebene Roboter | DNF | China / umgefallener Bürostuhl |
Ein echter Technologietest … aber noch keine sportliche Glanzleistung
Das Ereignis zeigt außerdem, dass humanoide Roboter tatsächlich zu laufen beginnen. Sie gehen nicht mehr unbeholfen und spulen dabei vorprogrammierte Sätze ab: Sie traben, stürzen, stehen wieder auf und bewegen sich vorwärts. Aber derzeit sind sie noch nicht autonom. Sie brauchen Operatoren, manuelle Akkuwechsel und Hilfe, wenn die Mechanik Probleme macht. Kurz gesagt: Den „Finish-Line-Spirit“ haben sie noch nicht. Heute lachen wir noch darüber, doch in zehn Jahren könnten wir ganz anders darüber sprechen. Der technologische Fortschritt ist rasant. Heute absolvieren diese Maschinen einen Halbmarathon in 2:40 Stunden und überhitzen dabei. Morgen könnten sie einen Marathon unter zwei Stunden laufen, die Utopie aller Marathonläufer.
Gut, wir können uns erst einmal wieder beruhigen. Im Moment schwitzen die Roboter vor allem über ihre Platinen, und sie brauchen ein ganzes Team, um eine Ziellinie zu überqueren. Doch dieser Halbmarathon von Yizhuang könnte der Beginn einer großen Wende sein: einer Wende, in der Ausdauer nicht mehr nur eine Frage von Herz, Oberschenkeln und mentaler Stärke ist, sondern auch von Codezeilen und Lithium-Ionen.
Nein, diese mechanischen Humanoiden haben uns noch nicht überholt. Aber sie stehen an derselben Startlinie und werden immer schneller. Und falls euch eines Tages beim Paris-Marathon bei Kilometer 19 ein Roboter einholt … denkt einfach daran, dass er euch an der Verpflegungsstelle nicht die Finisher-Medaille wegschnappen wird. Zumindest noch nicht.